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25.11.2015

Uraufführung von „Geschichten aus 1001 Nacht“ im Stadttheater

Pforzheim. Lieber eine blühende Fantasie als einen tollen Thron: Scheherazade weiß, wie sie den tyrannischen König Schahryar daran hindert, eine Frau nach der anderen in die Verbannung zu schicken – mit der Kunst ihrer Geschichten.

Sie erzählt dem persischen Machthaber vom „Fischer und dem Flaschengeist“ oder von „Ali Baba und den 40 Räubern“. Und ist dabei so spielfreudig, dass sie gleich den ganzen Hofstaat mit in das Geschehen zieht.

Tobias Goldfarb hat mit seinem Kinderstück „Geschichten aus 1001 Nacht“, das das Theater Pforzheim in Auftrag gegeben hat und gestern vor einem aufmerksamen Publikum seine Uraufführung feierte, ein modernes Märchen geschrieben, das in die Welt des Orients führt. Eine Märchenwelt mit Riesen, Geistern und einem sprechenden „Plabberbarsch“, mit einem mächtigen König, reichen Kaufmann und einer schönen Prinzessin von Bagdad. Die Kinder sollten in dieser Saison bewusst in eine andere Kultur eintauchen. Drei Klassiker hat der Berliner Autor, der das Stück mit seiner Lebensgefährtin Laura Goldfarb auch inszeniert hat, aus der großen Sammlung morgenländischer Erzählungen ausgewählt, entschärft und modernisiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Rahmenhandlung, auf dem Konflikt zwischen der starken Frau Scheherazade und dem König. Aber auch Familiengeschichten werden erzählt. Bei der spannenden Inszenierung, die neben der persischen Sprache auch Elemente des Figuren-, Schatten- und Erzähltheaters wirkungsvoll einbezieht, sind sieben Schauspieler in nahezu 40 Rollen zu erleben.

Auffällig sind vor allem die schillernd bunten Kostüme, die einen Mix aus historisch arabischem Vorbild und zeitgenössischen Trends bilden (Ausstattung: José Luna). Als Karawane erscheinen die Hofleute in Schnabelturnschuhen und türkischen Hosen, verwandeln sich in schwarz gekleidete Räuber mit Sonnenbrillen, die wie Rapper zu orientalischer Musik tanzen (Komposition: Thomas Unruh, Choreografie: Janne Geest). Die Bühne ist weitgehend leer: Mal sticht die Vorderseite eines Beduinenzeltes hervor, in dem eine riesige Schattenfigur als Flaschengeist auftaucht, mal die Mondschaukel von Scheherazade mit grellen Showlichtern. Antonia Schirmeister ist eine abenteuerlustige Scheherazade, Theresa Martini ihre quirlige Schwester Dunyazade. Jasaman Roushanaei spielt die Rollen der Königsmutter und des Räuberhauptmanns, Mario Radosin ist der schließlich sanftmütige König. Wandlungsfähig auch Timo Beyerling, Julian Culemann und Patrick Nitschke.