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Kunst bis an die Decke: Uta Volz kennt alle Werke, die sich im Magazin unter dem Sparkassenturm befinden.
Kunst bis an die Decke: Uta Volz kennt alle Werke, die sich im Magazin unter dem Sparkassenturm befinden.
21.12.2017

Uta Volz hat 26 Jahre lang die Kunstsammlung der Sparkasse betreut

Die Sammlung hat sich um mich herum entwickelt“, sagt die Kunsthistorikerin Uta Volz. Beim Gang durch das umfangreiche Magazin im Untergeschoss des Sparkassen-Turms kommt sie ins Erzählen: Zu fast jedem Bild kennt sie die Geschichte, war maßgeblich an Auswahl und Erwerb beteiligt. Und hinterlässt jetzt, da sie in Ruhestand geht, ein wohlbestelltes Haus.

Dabei war eigentlich alles ganz anders geplant: Im Januar 1991 kommt die damals 34-Jährige zur Sparkasse Pforzheim – als Pressereferentin. In diesem Job hat sie langjährige Erfahrung als Leiterin der Kulturredaktion der „Pforzheimer Zeitung“ und als Pressereferentin beim ADAC Nordbaden. Studiert hat Uta Volz allerdings Kunstgeschichte. Das weiß der damalige Sparkassen-Chef Wolfgang Daum – und fragt einfach an. Ob sie sich nicht auch mal um die Kunstsammlung des Hauses kümmern könnte? Uta Volz sagt ja – und stellt sich einer Mammutaufgabe.

Keine Angaben über die Bilder

Rund 200 Bilder umfasst die Sammlung damals, die der Stadt- und Kreissparkasse sowie der Kunststiftung gehört. Bereits 1980 war die gegründet worden – zur Förderung heimischer Kunstschaffender. Soweit die Grundlage. Und die wenig schöne Überraschung folgt auf dem Fuß: Zwar gibt es – vom Rechnungswesen verbuchte – Dokumente, wann und von wem ein Kunstwerk gekauft wurde, allerdings ist nirgendwo vermerkt, von wem das Bild stammt, was es zeigt und in welchem Jahr es entstand. Zudem sind die Arbeiten an vielen Orten verteilt.

Doch Uta Volz weiß sich zu helfen. Gemeinsam mit dem damaligen Leiter des Rechnungswesens steigt sie in den Sparkassen-Keller an der Durlacher Straße, wo Belege aufbewahrt werden – zurück bis ins Jahr 1955. Und dann beginnt eine wahre Detektivarbeit: Unter all den Papieren stöbern sie die Rechnungen für die einzelnen Bilder heraus. Nun weiß die Kunsthistorikerin wenigstens, was sich im Besitz der Sparkasse befindet. Doch wo sind die Werke? Die Bildersuche beginnt und führt Volz in jede Menge Büros, Besprechungszimmer, Kundenhallen. Sie findet – fast – alles. „Vor kurzem ist ein Bild aufgetaucht, das 27 Jahre lang verschollen war. Im Schrank eines Mitarbeiters“, erzählt sie. Das kann heute nicht mehr passieren, denn inzwischen sind die Kunstwerke nicht nur inventarisiert, sondern auch fast vollständig mit digitalen Fotografien hinterlegt.

Und die Sammlung ist gewaltig. Denn bereits Anfang der 1990er-Jahre beschließt das Institut, die Kollektion zu professionalisieren und verpflichtet Professor Würth als Berater, um die sich verstärkt zeitgenössischer Kunst zuzuwenden. Bislang sind neben dem ältesten Werk, den „Geldmännchen“ von Emil Salm am ehemaligen Eingangsportal des Hauses, überwiegend Werke lokaler Größen wie Karl Abt oder Karl Stretz angekauft worden. Jetzt erweitert sich nicht nur der Zeitrahmen, Uta Volz ist es auch wichtig, dass die Stiftung Künstler aus der Region sammelt, „was den Kreis auch auf Absolventen der Akademien in Stuttgart und Karlsruhe erweitert“, sagt sie.

Jede Menge Hesse-Werke

2003 kommt die nächste Überraschung: Die Sparkassen Pforzheim und Calw fusionieren – und damit auch ihre Kunstsammlungen. „Der Calwer Brautschatz war wertvoll und umfangreich“, erinnert sich Volz. Die Arbeit beginnt von Neuem. Und die Kunsthistorikerin ist höchst angetan, vom „guten Händchen“ mit dem der neue Partner gesammelt hat. Denn neben einer umfangreichen Kollektion von Hermann-Hesse-Werken sind es vor allem dessen Freunde und Zeitgenossen, deren Arbeiten sie vorfindet. Richard Ziegler, Rudolf Schlichter und Kurt Weinhold – alle mit Bezug zu Calw – sind umfangreich vertreten. Der Sammlungsschwerpunkt liegt bei der Neuen Sachlichkeit, was sich als hervorragende Investition herausstellt. „Der Markt mit Schlichter-Bildern ist fast leergefegt“, weiß Volz. Und entsprechend hochpreisig. Doch immer wieder gelingt es ihr dank eines guten Netzwerks, Nachlässe oder Konvolute für ihren Arbeitgeber an Land zu ziehen. Gerade 16 Hesse-Aquarelle aus einer Privatsammlung: „in bester Qualität“. Und eine Schlichter-Arbeit – vermittelt von einem bekannten Galeristen. Von der Weinhold-Witwe hat sie den Nachlass aufgekauft, der jetzt noch restauriert werden muss.

Denn die Pflege der Bilder und Skulpturen ist ebenfalls eine der Aufgaben der Kunsthistorikerin, ebenso wie die Ausstattung von Kundenhallen und Büros mit Kunst. Dafür greift sie auf ihr Archiv zurück, aber immer wieder gibt es auch Neuanschaffungen, für die sie zum Teil Ateliers aufsucht und dann dem Sparkassen-Vorstand vorschlägt. Werke von Sibylle Burrer beispielsweise für die Tiefenbronner Filiale, aber auch den Leuchtkasten „Humanismus“ von Harald Kröner. Der wird künftig im Museum Johannes Reuchlin zu sehen sein – als Leihgabe.

Zahlreiche Dauerleihgaben

Überhaupt ist ein Teil der rund 3000 Bilder und Skulpturen umfassenden Sammlung unterwegs: immer mal wieder kurzzeitig in Ausstellungen, häufiger als Dauerleihgabe – etwa beim Landratsamt, der Stadt, in Pforzheimer Museen, in Calw, in Remchingen … Jüngstes Beispiel: Die Skulpturen „Sonne“ und „Mond“ von Markus Lüpertz im Blumenhof. Eigentlich sollten sie nur im Jubiläumsjahr das Stadtbild bereichern, „doch wir haben gerade den Leihvertrag um drei Jahre verlängert“, sagt Volz.

Viel spannende Kunst lagert noch im Archiv und wartet auf einen neuen Platz, etwa das 24 Meter lange Kappis-Relief aus der ehemaligen Kundenhalle und der große Gerlinde-Beck-Brunnen. Ein bisschen Arbeit wird Uta Volz ihrer Nachfolgerin Krisztina Jütten dann wohl doch übriglassen.