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Schmuck verbindet: Die Ausstellung im EMMA entstand durch die Zusammenarbeit von Almut Benkert, Alexander Weber, Andreas Gut, Sibylle Schüssler, Frieda Dörfer, Fabian Jäger, Elmar Schuster, Herbert Mutschelknauß, Walter Gräßle, Werner und Christel Stierle (von links).  Ketterl
Schmuck verbindet: Die Ausstellung im EMMA entstand durch die Zusammenarbeit von Almut Benkert, Alexander Weber, Andreas Gut, Sibylle Schüssler, Frieda Dörfer, Fabian Jäger, Elmar Schuster, Herbert Mutschelknauß, Walter Gräßle, Werner und Christel Stierle (von links). Ketterl
04.05.2017

Vergangenheit trifft Zukunft: Ausstellung im EMMA zeigt rund 100 Arbeiten

Die Aufnahme des Projekts „Manufakturelle Schmuckgestaltung“ in das Unesco-Register des „Immateriellen Kulturerbes“ ist höchst verdient – wie das real und ganz greifbar aussieht, das lässt sich am Donnerstagabend im Kreativzentrum EMMA erleben.

Denn die rund 100 Exponate zeigen auf, wie sich aktuelle Techniken und modernes Design mit traditionellen Handwerkstechniken verbinden lassen. Die ausgestellten Broschen, Ringe, Colliers und Objekte von 26 Designern sind sowohl Augenschmaus für Schmuckliebhaber als auch absoluter Hingucker für Technikfreunde.

Ein kurzer Rückblick: Seit knapp zehn Jahren besteht das Projekt „PF Revisited“, bei dem Schmuck-Design-Studenten mit erfahrenen Handwerkern der Arbeitsgruppe „Schmuck verbindet“ zusammenarbeiten. Und in dem bislang zwölf Absolventen bei einem sechsmonatigen Stipendium im Deutschen Technikmuseum Berlin ihre Kenntnisse vertieften. Zum ersten Mal werden jetzt die Ergebnisse aus zehn Jahren Forschung gezeigt. Und die sind ganz erstaunlich. Etwa die Arbeiten von Lena Schwertfeger, die auf überraschende Art eine am 3-D-Drucker entstandene Form mit historischen, aus Messing gepressten Hutnadeln verbindet und damit staunenswerte Effekte erzielt. Oder Arne Soltau: Der Schmuckgestalter nutzt alte Stanzformen, um damit Herrenringe in zeitgenössischem Design herzustellen. Die Siegelringform hat es auch Fabian Jäger angetan, nur dass er etwas technisch eigentlich nicht Umsetzbares realisiert. Er wollte eine Stahlkugel als Hingucker in einen silbernen Herrenring platzieren – allerdings ohne Fassung, allein durch die Verformung des Silberblechs. „Wenn ich von Walter Gräßle nicht gelernt hätte, wie man mit Zwischengesenken arbeiten muss, hätte ich das nie umsetzen können“, sagt Jäger. Gräßle ist einer der „alten Meister“ der Gruppe „Schmuck verbindet“ und ein Tüftler, wie alle seine Kolleginnen und Kollegin. Denn die bringen Wissen mit, das heute nirgendwo mehr gelehrt, nirgends nachzulesen oder dank Internethilfe nachzuvollziehen ist.

Doch das wirklich Spannende an diesem Projekt ist der Brückenschlag in die Gegenwart und Zukunft. „Wir stellen Schmuck nicht wie früher her, sondern lernen und verstehen die Arbeitsweisen und Maschinen, um sie auf eigene Weise ein- und umzusetzen. Und um neue Techniken einzubauen“, sagt Schmuckprofessor Andreas Gut. Wie das geht, zeigt seit Jahren höchst erfolgreich Frieda Dörfer. Sie guillochiert ihre Ornamente nicht auf das fertige Schmuckstück, wie bislang üblich. Sondern formt aus guillochierten Blechen mit beeindruckend dreidimensionaler Wirkung höchst ästhetische Schmuckstücke.

Almut Benkert, Leiterin des Kreativzentrums, wo die Projektgruppe seit zweieinhalb Jahren ihr Zuhause gefunden hat, kann inzwischen miterleben, wie das Wissen über historische Techniken und alte Maschinen nicht nur von den alten Fachleuten, sondern auch von den ehemaligen Studenten an ihre Nachfolger an der Hochschule weitergegeben wird: „Hier lernen Generationen voneinander.“ Und so gehen 3-D-Druck und Laserschneiden mit Prägen, Stanzen und Guillochieren eine kongeniale Verbindung ein.