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An den großen Saxofonisten Adderley erinnert die Formation Cannonsoul.  rdf
An den großen Saxofonisten Adderley erinnert die Formation Cannonsoul. rdf
21.10.2015

Verneigung vor einer Legende

Perfekt inszenierter, mitreißender Soul-Jazz: Eine Hommage an die unvergessene Zeit des legendären Altsaxofonisten Julian „Cannonball“ Adderley (1928–1975) durfte im 40. Domi-Jahr nicht fehlen.

Das international und glänzend besetzte Quintett Cannonsoul – Patric Bianco (Saxofon, Zürich), Peter Tuscher (Trompete, München), Renato Chicco (Piano, Triest), Andy McKee (Bass, New York) und Bernd Reiter (Schlagzeug, Graz) überzeugte im bestens besuchten Jazzclub vom ersten bis zum letzten Takt.

Gekonnte Gassenhauer

Gleichermaßen gekonnt präsentierten die Musiker Gassenhauer wie Bobby Timmons vom Gospel inspirierte Komposition „This Here“ und etwas seltener zu hörende Stücke wie das von Sam Jones geschriebene Uptempo „Del Sasser“. Mit „Minha Saudades“ („Meine Sehnsüchte“) knüpfte das Cannonsoul-Quintett um Patrick Bianco im zweiten Set an die legendäre Zusammenarbeit Adderleys mit den in New York gastierenden Bossa-Nova-Musikern um João Donato und João Gilberto an. Beide Cannonsoul-Bläser verließen sich im „domicile“ auf bewährte Instrumente: Patrick Bianco (38) spielte auf einem im Jahr 1945 hergestellten Altsaxofon „Selmer Mark VI“, und Peter Tuscher (60) setzte eine „Conn 8B“ Vintage-Trompete aus dem Jahr 1969 ein. Nur der bei Adderleys Titel „Wabash“ im Mittelpunkt eines Features stehende Kontrabass des grandiosen US-Musikers Andy McKee brachte es auf ein Alter von gerade mal acht Jahren.

Bei Abschluss des Domi-Konzerts sah man nur zufriedene Gesichter: Auf der Bühne wie im Publikum – schließlich wäre alleine die Zugaben des Quintetts das ganze Eintrittsgeld wert gewesen: „Sweet Emma“, ein Titel, den Nat Adderley, der Trompeter und Bruder Cannonballs, der Sängerin und Barrelhouse-Pianistin Emma Barrett (1897–1983) gewidmet hat.

Trost für alle, die das Cannonsoul-Konzert samt Zugabe verpasst haben: Die Band spiel heute im Stuttgarter Jazzclub „Bix“, und im Domi verspricht das für Montag, 2. November, angekündigte Gastspiel des Tenorsaxofonisten Wayne Escoffery zumindest ein ähnlich denkwürdiges Jazz-Erlebnis. Robin Daniel Frommer