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Blick in die Ausstellung im Melanchthonhaus Bretten.
Blick in die Ausstellung im Melanchthonhaus Bretten.
Maria Lucia Weigel
Maria Lucia Weigel
07.07.2016

Verschlüsselte Botschaften: Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum im Melanchthonaus Bretten

Bretten. Wie sahen die Reformatoren wirklich aus? Und: Was sagen uns die Darstellungen über ihre Persönlichkeit, ihr Wirken und ihre Bedeutung? Diese Fragen will eine Sonderausstellung im Melanchthonhaus Bretten beantworten, die bis 11. Dezember nicht nur das bevorstehende 500. Reformationsjubiläum 2017 in einer namhaften reformatorischen Gedenkstätte einläutet, sondern auch das Ergebnis grundlegender religions- und kunstgeschichtlicher Untersuchungen vorstellt.

„Reformatoren im Bildnis. Verschlüsselte Botschaften“ lautet der Titel der Überblicksschau. Sie legt die reformatorische Propaganda offen, die sich hinter den unterschiedlichen Darstellungsformen der Repräsentanten des Glaubenskampfes zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert verbirgt.

Kommunikationsmittel

Bildnisse der Reformatoren waren ein zentrales Kommunikationsmittel. Davon geht die Kunsthistorikerin Maria Lucia Weigel aus, die das Projekt der Europäischen Melanchthon-Akademie wissenschaftlich betreut hat und für die Präsentation im historischen Gebäude am Brettener Marktplatz verantwortlich zeichnet.

Die Ausstellung ist in den Räumen des Melanchthonhauses zu sehen, dessen Ausstattung mit Malereien, Skulpturen und Deckengestaltungen bereits ein einzigartiges visuelles Konzept von Reformationsgedenken darstellt. Die Schau und das Museum selbst gehen dabei eine enge museumskonzeptionelle Verbindung ein, die an diesem Ort so noch nie zu erleben war. Nach einer filmischen Einführung taucht der Besucher in unterschiedliche Ebenen und Zeitschichten bildnerischer Überzeugungsarbeit ein, die schließlich in den Reformatoren-Porträts gipfelt.

Die Kunstwissenschaftlerin Weigel nimmt den umfangreichen Bestand von druckgrafischen Blättern mit Reformatoren-Bildnissen in der Sammlung des Melanchthonhauses als Ausgangspunkt ihrer Präsentation. Sie geben bereits einen lückenlosen Überblick über die Darstellungsformen im Laufe der Jahrhunderte. Ergänzt werden die hauseigenen Bestände von ausgewählten, wertvollen Exponaten aus anderen historischen Sammlungen.

Im Fokus steht der deutschsprachige Raum mit seinen namhaftesten Reformations-Repräsentanten. Dazu gehören selbstverständlich die sogenannten Wittenberger Reformatoren um Luther, Philipp Melanchthon, Bugenhagen und Jonas, bis hin zu den Schweizern Zwingli und Calvin, Bullinger und Beza. Die Konterfeis der süddeutschen Reformer Brenz und Bucer sowie die Verfasser des Heidelberger Katechismus in der Kurpfalz werden vorgestellt und ergänzen die umfangreiche Betrachtung um einen regionalen Aspekt.

Die Sprache der Bilder ist dem heutigen Betrachter vielleicht zuerst fremd. Doch sie vermittelten in ihrer Zeit Glaubensinhalte und standen für die Glaubwürdigkeit derer, die sie verkündeten. Die Reformation bekam mit den Porträts ihrer Repräsentanten ein Gesicht. Die Botschaften, die sie in den Bildnissen mitteilen, bestimmen bis heute unseren Blick auf die Reformation. Doch wie gelang es den Künstlern in verschiedenen Epochen, die Betrachter ihrer Werke von der Botschaft der Bilder zu überzeugen?

Hochgezogene Augenbraue

Das Rätsel um die verschlüsselten Botschaften – und das kann schon eine hochgezogene Augenbraue sein – löst die Sonderausstellung. Die Bilder beginnen zu sprechen und teilen ihre komplexen, kunstvoll arrangierten Inhalte mit. Es zeigt sich manch Überraschendes. Denn in der Überlieferung der Bildnisse über die Jahrhunderte hinweg treten Veränderungen auf. Und zu unterschiedlichen Zeiten wurden wechselnde Inhalte im Bild vermittelt.

Fest steht: Die von Deutschland ausgehende und sich in ganz Europa verbreitende Reformation veränderte die Welt. Die neue Lehre brachte Umbrüche auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit sich. Sie haben Auswirkungen bis in die Gegenwart. Somit sind die historischen Bildnisse der Reformatoren von beeindruckender Aktualität.