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27.10.2016

Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen erklärt die Entwicklung am Stadttheater Pforheim

Zahlen, Zahlen, Zahlen: Das Theater Pforzheim ist gerade gewaltig am Rechnen. Zum einen hat die Bühne gerade die Bilanz der vergangenen Saison gezogen, zum anderen wurde die Finanzierung des Hauses für die kommenden drei Jahre am Dienstag im Kulturausschuss diskutiert. Und der Landkreis Calw erhöht seinen Zuschuss ganz erheblich.

Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen erklärt die Lage.

PZ: Wie gefragt ist das Theater zurzeit – gerade auch bei den Abonnenten?

Uwe Dürigen: Aktuell freuen wir uns über die beachtliche Zahl von 443 neu gewonnenen Abonnenten. Im Vergleich zum Vorjahr fehlen uns nur noch 49 Abonnements. Da die Monate Oktober und November noch gute Einstiegsmöglichkeiten bieten, sind wir zuversichtlich, dass zumindest der Vorjahresstand erreicht wird.

Wird das Geschäft an der Tageskasse wichtiger? Immerhin kamen in der vergangenen Spielzeit fast 57 000 Besucher mit Einzeltickets, während es 35 206 Besuche von Abonnenten gab.

Die Tageskasse ist für ein Theater natürlich wichtig, da hier die höheren Umsatzerlöse erzielt werden. Trotzdem bleibt für uns das Abonnement im Fokus. Denn die Abonnenten unterstützen das Theater in seiner ganzen künstlerischen Vielfalt.

Die Entwicklung im Bereich der Gastspiele ist ja höchst erfreulich. Kann das so weitergehen?

Ja, davon gehen wir aus. Aber dazu muss man auch erklären, dass – wenn man die Gesamtbesucherentwicklung des Hauses betrachtet – das Große Haus vermeintlich einen Zuschauerrückgang erlitten hat. Das liegt aber daran, dass wir eine strategische Neuausrichtung vollzogen haben, indem wir das Gastspielwesen deutlich angehoben haben. Es ist zwar ein hoher logistischer Aufwand – wir gehen überwiegend mit großen Opernproduktionen auf Tour – aber die Deckungsbeiträge sind lukrativ. Seit dieser Spielzeit fördert das Land unsere auswärtigen Vorstellungen der Kinderoper. 29 Gastspiele sind ein absolutes Novum und haben uns 204 000 Euro an Mehreinnahmen beschert.

Lohnt es sich, wegen 123 Besucher in die Schweiz zu fahren, wie bei dem Abstecher mit dem Schauspiel „Sein oder Nichtsein“ nach Langenthal?

Das müssen Sie das Theater in Langenthal fragen. Es ist seit vielen Jahren mit unserer künstlerischen Qualität sehr zufrieden. Natürlich sind wir auch aufgrund des Wechselkurses ein finanziell attraktiver Partner. Es wird stets ein Gastspielhonorar vereinbart, und das Risiko trägt der Veranstalter. Wir werden auch in Zukunft in der Schweiz gastieren.

Bei den Sinfoniekonzerten sieht es ja nicht so rosig aus. Da ist die Besucherentwicklung seit sechs Jahren rückläufig. Zu den sechs Konzerten im CCP kamen in der vergangenen Saison 5166 Zuhörer, 574 weniger als im Vorjahr.

Wir haben hier schon ein Minus. Markus Huber hat jedoch seit Amtsantritt in der Saison 2008/2009 ein deutlich höheres Niveau erreicht und es auch gehalten. Wir analysieren das, aber ich möchte keine Spartenolympiade betreiben. Insgesamt haben wir als Drei-Sparten-Haus ein sehr gutes Ergebnis zu verzeichnen, auf das wir sehr stolz sind. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Bereiche, die brillieren und andere, die temporären Nachfrageschwankungen unterliegen.

Die Rücklagen des Hauses haben sich sehr erfreulich entwickelt.

Ja, wir haben in der vergangenen Spielzeit ein sehr gutes Wirtschaftsergebnis erzielt. Derzeit liegen unsere Rücklagen bei rund 1,17 Millionen Euro. Darüber sind wir sehr froh, weil unser Theaterbetrieb dadurch wirtschaftliche Stabilität erhält. Deshalb konnten wir auch noch tiefergreifende Einschnitte durch die vom Gemeinderat beschlossene Haushaltskonsolidierung vermeiden.

Der Landkreis Calw erhöht gerade seinen Zuschuss um das fast Neunfache – von 2300 auf 20 000 Euro. Da kommt doch Freude auf?

Darüber freuen wir uns riesig. Es ist ein Zeichen, dass unsere Arbeit bei den Menschen des Landkreises Calw eine hohe Wertschätzung genießt. Neben dem Abendspielplan werden gerade auch unsere umfangreichen Bildungsangebote für Schulen und Kindertagesstätten sehr gut angenommen und hierdurch honoriert. Ein Beispiel: Beim Weihnachtsmärchen „1000 und eine Nacht“ lag der Anteil der Schulen und Kitas aus dem Landkreis Calw bei über 19 Prozent.