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Fröhliches Treiben mit schmissiger Czsárdás-Musik: Die Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß ist in der Inszenierung von Wolfgang Quetes am Theater Pforzheim zu sehen. Foto: Haymann
Stamatia Gerothanasi singt die Saffi. Foto: Haymann
23.12.2018

Viel Beifall: „Der Zigeunerbaron“ feiert im Theater Pforzheim Premiere

Pforzheim. Zum Auftakt des Weihnachtswochenendes in Operettenseligkeit schwelgen, das konnte man bei der Premiere des „Zigeunerbarons“ im Theater Pforzheim. Das erfolgreichste Bühnenstück von Johann Strauß vereint mitreißende Marschmusik, wiegenden Wiener Walzer, romantische Duette und freche Couplets, gewürzt mit pfeffrigem ungarischem Czsárdás.

Viele Musiknummern der 1885 uraufgeführten Operette sind bekannt und beliebt, so etwa das Couplet des Sándor „Als flotter Geist“, die Arie des Zsupán „Ja das Schreiben und das Lesen“, die Arie der Czipra „Oh habet Acht“, das Duett von Sándor und Saffi „Wer uns getraut“ und der Schatzwalzer aus dem dritten Akt. So war es nicht verwunderlich, dass die freudige Erwartung im voll besetzten Theater geradezu spürbar war – und nicht enttäuscht wurde.

Operette der Zigeunerbaron im Theater Pforzheim

Die etwas verwickelte Handlung um einen mittellosen Gutsbesitzer, der eine vorgebliche Zigeunerin heiratet, basiert auf einer Novelle von Mór Jókai und spielt vor dem Hintergrund des Österreichischen Erbfolgekriegs. Aktualität erhält sie durch den Anspruch der Zigeuner auf Anerkennung und Gleichberechtigung. Regisseur Wolfgang Quetes hat sich für eine traditionelle, in der politischen Aussage modernisierte Inszenierung entschieden, die dem Ensemble in den farbig zurückhaltenden Bühnenbildern von Manfred Kaderk Raum für Spiel und Aktion lässt. Die Kostüme von Anke Drewes zeigen andeutungsweise historische Bezüge.

Bildergalerie: „Der Zigeunerbaron“ feiert Premiere im Theater Pforzheim

Das spielfreudige Ensemble zeigte sich bestens disponiert, allen voran Stamatia Gerothanasi als Saffi, mit auch in den Höhen glasklarem Sopran. Neben ihr etwas blass Tenor Philipp Werner als Sándor Barinkay. Auf den Leib (und die kräftige Stimme) geschrieben war die Bass-Buffo Rolle des Kálmán Zsupán dem ausdrucksstarken Lukas Schmid-Wedekind. Einen geheimnisvollen Anstrich gab Dorothee Böhnisch der Czipra mit ihrem warmen Alt. Als reizendes Spiel-Pärchen gefielen Soubrette Elisandra Melián (Arsena) und Tenor-Buffo Arthur Canguçu (Ottokar). Einen einprägsamen Auftritt hatte Bariton Paul Jadach als Graf Homonay, der seinen Part energisch und stimmlich kraftvoll ausgestaltete. Mit viel Humor widmete sich Klaus Geber der Rolle des „Sittenkommissärs“ Conte Canero. Chapeau für Lilian Huynen, die am selben Tag die Rolle der Mirabella für die erkrankte Lisa Wedekind übernommen hatte und sich mit Textbuch, aber ansonsten nahtlos und mit viel Spiel- und Singfreude in die Handlung einfügte.

Stimmgewaltig der Chor und Extrachor, der umfangreiche Spiel- und Gesangspartien innehatte. Wohl dem Premierenfieber geschuldet waren zu Beginn Koordinationsschwierigkeiten mit dem Dirigenten. Kongenialer Partner des Geschehens auf der Bühne war im Orchestergraben die Badische Philharmonie Pforzheim unter Leitung von Yonatan Cohen. Ein besonderes musikalisches Schmankerl: Vor dem dritten Akt erklang statt der Zwischenmusik die Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“, bestens bekannt aus den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker. Das begeisterte Premierenpublikum dankte mit langanhaltendem Applaus für diesen gelungenen Abend.