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Frisch renoviert erstrahlt das Bauhausgebäude in Dessau. Hier haben führende Gestalter Designs entworfen, die noch heute aktuell sind. Foto: dpa
Frisch renoviert erstrahlt das Bauhausgebäude in Dessau. Hier haben führende Gestalter Designs entworfen, die noch heute aktuell sind. Foto: dpa
12.02.2016

Viele Prinzipien der „Bauhaus“-Gestaltung wirken noch heute

Mehr als 14 Jahre waren nicht nötig, um einige Grundfragen der Kunst und der Architektur ganz neu zu beantworten. So lange nur – von 1919 bis 1933 – bestand das „Bauhaus“, die legendäre Ausbildungsstätte im Osten Deutschlands, in Weimar, später Dessau von der aus eine rasante Geschmacksänderung ihren Anfang nahm. Wie war das möglich? Dieser Frage ist im voll besetzten PZ-Forum auch die Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch in einem ihrer beliebten Bildvorträge nachgegangen.

Denn am Anfang der Institution, da steht die Verunsicherung. 1919 ist kein rosiges Jahr in Deutschland; die Niederlage im Ersten Weltkrieg lastet schwer auf der deutschen Seele. Orientierungslosigkeit bestimmt die Zeit. Verstörte Kriegsheimkehrer, die beginnende Inflation und eine wacklige Demokratie prägen das öffentliche Bewusstsein. Wie soll es weitergehen?

Ein Ziel: der Bau

Der Architekt Walter Gropius hat eine Antwort formuliert. Vorwärts geht es nur im Rückgriff. An der neuen Ausbildungsstätte – dem „Bauhaus“ – will er die Scheidung zwischen Kunst und Handwerk rückgängig machen, will die einzelnen Fähigkeiten des Menschen wieder in einem Ziel zusammenführen: Es ist der Bau. Bevor sich aber die Künste dort vereinen können, werden ihre Grundlagen in umfangreichen Studien von allen Seiten beleuchtet.

Dazu hat Gropius in Weimar illustre Lehrer wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer oder Johannes Itten um sich geschart. Sie begeben sich in ihren Experimenten mit Farbe und Form an die Grundlagen der Kunst. Aber gebaut wird wenig in Weimar. Ganz anders in Dessau, wohin das „Bauhaus“ nach einem Politikwechsel in Weimar umziehen muss. Dort entstehen nach dem Umzug die bahnbrechenden Bauten, die auch noch heute für architektonische Nachahmung sorgen. Geplant wird aber nicht nur das Große, auch und gerade der Alltag steht im Fokus des „Bauhauses“.

Wie muss ein Haus aussehen, das würdig ist für den Menschen im Zeitalter der Serienproduktion, mit genug Licht und Platz? Und wie sollen die alltäglichen Dinge beschaffen sein? Alles ist Design, selbst das scheinbar Unbedeutende und Nebensächliche. Das zeigen die Entwürfe für alle erdenklichen Gegenstände, für Teekannen, Kinderwiegen oder Lampen. Elegant muss es sein, das Bauhaus-Design, nicht überladen mit Schnörkeln und Zierrat, sondern einfach. Das funktioniert. Denn vieles, was vor Jahrzehnten erdacht worden ist, wird auch heute – wie die legendäre „Bauhaus-Leuchte“ – noch unverändert gebaut. Und auch wenn es nicht unverändert übernommen wird: die Formprinzipien der Gestaltung sind auch noch heute stark vom Bauhaus inspiriert.

Das zeigt eine aktuelle Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, in der die Bauhaus-Entwürfe selbst neben dem Neuen noch so aktuell wirken. Obwohl sie eigentlich schon alt sind – aber zu zeitlos, um zu altern.