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03.11.2015

Violine und Bratsche aus drei Epochen: Kammerkonzert mit Michael Ewers und Cheryl Swoboda.

Pforzheim. Unkonventionell soll der Abend beginnen, nicht mit Mozart am Anfang und Martinu am Schluss. Michael Ewers (Violine) und Cheryl Swoboda (Viola) vom Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim drehen die Reihenfolge einfach um.

Und so geht es gleich wild zur Sache – beim zweiten „Brötzinger Kammerkonzert“ in der Alten Pfarrkirche Sankt Martin, das fast so gut besucht ist wie das erste im Sommer.

Mit der auf Spendenbasis laufenden Konzertreihe wollen die Orchestermitglieder einen Beitrag zur finanziellen Unterstützung des SWDKO leisten. So haben auch Michael Ewers und Cheryl Swoboda drei reizvolle Werke ausgewählt, die in verschiedenen musikalischen Epochen entstanden.

Rhythmische Einfallskraft

Mit den „Drei Madrigalen für Violine und Viola H. 313“ von Bohuslav Martinu (1890–1959) stellt das Duo ein modernes, an Vitalität und rhythmischer Einfallskraft nur so strotzendes Meisterwerk dieser Gattung voran. Der tschechische Komponist, bei dem neoklassizistische Einflüsse hörbar werden, war während des Zweiten Weltkriegs in die USA geflüchtet, sehnte sich aber zurück in die Heimat. Zudem war sein Nervensy-stem und Gehör durch einen Unfall gestört. In dieser Situation entstand das Werk, das sich der alten Renaissanceform bedient. Vor allem in den Ecksätzen kann sich das hervorragend abgestimmte Streicherduo, das schon bei den Bachstunden in der Stadtkirche auftrat, dabei so richtig austoben. Mit Akkordspiel, gedehnt dynamischen Steigerungen und vielen Klangeffekten reißen Ewers und Swoboda förmlich mit.

Von ständigen Tremoli geprägt ist dagegen der langsame Mittelsatz, die beim gedämpften Beginn an einen Wespenschwarm erinnern. Grobe, rhythmische Zupfer mischen sich unter, ansonsten fließt dieser Satz in aller Geschmeidigkeit voran.

Ein berühmter Geiger

Vor der Pause zeichnet das Duo noch ein anderes Klangbild – mit dem Grand Duo op. 13 von Louis Spohr (1784–1859). Weich, lyrisch, romantisch kommt dieses bezaubernde Stück daher, ohne spezielle Effekte. „Er war ein berühmter Geiger seiner Zeit“, erzählte Ewers über den deutschen Zeitgenossen von Beethoven und Paganini. Beim umfangreichen Kopfsatz sind ausdrucksvolle Melodien zu hören, die teils ganz fein durch den Raum schweben. Das eingängige Hauptthema wird von den beiden Streichern feinfühlig gestaltet, ebenso das viel kürzere, harmonisch-zarte Adagio.

Und dann kommt Mozart, vielmehr sein Duo G-Dur KV 423, das mit dem B-Dur-Duo KV 424 die einzigen beiden Mozartwerke dieser Gruppe bildet. Mit schwungvollen Bogenstrichen gehen die Musiker an das Werk heran. Auf den ersten Blick scheint im Rondeau Ewers den Ton anzugeben. Aber sofort legt Swoboda nicht gerade zimperlich nach. Als Zugabe musizieren die beiden den zweiten Satz aus dem besagten Duo B-Dur. Und hier zaubert der Violinist nun als tragende Melodiestimme filigrane Töne, während die Bratschistin eine gleichmäßig schlichte Begleitung beisteuert.