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Spielkultur an der Winterhalter-Orgel: Mar Vaqué Mur. Foto: Fotomoment
Spielkultur an der Winterhalter-Orgel: Mar Vaqué Mur. Foto: Fotomoment
12.02.2018

Virtuoser Orgelzauber: Mar Vaqué Mur gastiert in Maulbronn

Maulbronn. Auch Konzerte in kleinerem Rahmen, die ohne Werbegetöse auskommen, können die Musikfreunde positiv überraschen. Die vom Maulbronner Orgelverein und der evangelischen Kirchengemeinde in der Winterkirche des Zisterzienserklosters veranstaltete 55. Orgelvesper war ein solches Ereignis.

Die im katalanischen Tarragona geborene, sehr junge und attraktive Organistin Mar Vaqué Mur verzauberte ihre Zuhörer mit höchst virtuosem Spiel und einem Programm, das passgenau zu den Klangauffassungen des ausgehenden Bach-Zeitalters, den entsprechenden Dispositionen und Registerfarben der Winterhalter-Orgel ausgewählt war.

Schon im Concerto a-Moll von Johann Sebastian Bach (BWV 593) faszinierte die Spielkultur der Organistin. Den ersten Satz des aus einem Vivaldi-Violinkonzert transkribierten kleinen Werkes präsentierte Mar Vaqué Mur mit rasanten Wirbeln und Skalen der deutlich gezeichneten beiden Solostimmen. Der ohne Pedal ausgeführte, langsame zweite Satz kam schlicht und zart mit tremolierenden Linien daher, der letzte wieder mit Tempo und Triller-verziert. Die vier Duettos des barocken Großmeisters (BWV 802-805) imponierten mit reizvoll dynamischer Vielgestaltigkeit und Klangfarben, die von heller Dur-Fröhlichkeit bis zur dunkel verhangenen Moll-Stimmung reichten.

Mit fein eingebundenem Cantus firmus stattete die Solistin das Orgelvorspiel zu „O Gott, du frommer Gott“ (op. 122) von Johannes Brahms aus. Klangschön spätromantisch folgte das Orgelstück zu „Herzlich tut mich verlangen“ des Prager Komponisten Bedrich Antonín Wiedermann (1883-1951). Den jubelnd leuchtenden Ausklang der Orgelvesper gestaltete Mar Vaqué Mur mit einem Allegro aus dem Concerto D-Dur des französischen Komponisten Claude Balbastre (1724–1799).