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Ein nach seinen Wünschen von einem italienischen Kunstmaler gefertigtes Porträt ist das einzige malerische Werk von Vito Pace im LAF-Projektraum. Der in Pforzheim lebende italienische Künstler kombiniert das Bild mit Schrifttafeln, die sich unter anderem mit der Frage nach der Originalität von Kunstwerken beschäftigen. Foto: Privat
Ein nach seinen Wünschen von einem italienischen Kunstmaler gefertigtes Porträt ist das einzige malerische Werk von Vito Pace im LAF-Projektraum. Der in Pforzheim lebende italienische Künstler kombiniert das Bild mit Schrifttafeln, die sich unter anderem mit der Frage nach der Originalität von Kunstwerken beschäftigen. Foto: Privat
04.12.2016

Vito Pace bei LAF: Kunst-Ausstellung fast ganz ohne Kunst

Pforzheim. Der LAF-Projektraum am östlichen Ende der Pforzheimer Fußgängerzone zeigt ein gemaltes Portrait und Texttafeln von Vito Pace. Pforzheimer Künstler verführt nicht zum Sehen, sondern zwingt zum Lesen.

Eine Kunstausstellung ohne Kunst? Geht nicht? Geht doch. Zumindest wenn der Künstler Vito Pace heißt. Er spielt schon seit Jahren mit Begriffen wie Kunstwerk oder Original, wie Künstler und Kunstmarkt. Und dabei stellt er sich auch selbst und sein Werk in Frage. Bei diesen Untersuchungen kommt er dann immer wieder zu stark verrätselten Arbeiten, die mal ganze Räume in ein Bilderrätsel verwandeln oder als Ergebnis nur zwei an einer Wand lehnende roten Fahnen aufweisen. Vito Pace auszustellen, kann daher in Überraschungen enden. Gut, dass es mit dem Verein Leerstand als Freiraum (LAF) einen Ort gibt, an dem man sich mutig der Kunst stellt, auch wenn sie im aktuellen Fall nur aus einem gemalten Portrait und mehreren Schrifttafeln besteht.

„Portrait des Künstlers und autobiografische Reflexion für eine Ausstellung in einer postsozialdemokratischen und populistischen Gesellschaft“ heißt der sperrige Ausstellungstitel. Ausgangs- und Endpunkte sind zwei rote Wände, die letzte leer, die erste mit einem Pace-Portrait, das ihn zeigt, aber nicht von ihm selbst gemalt, sondern bei einem Kunstmaler so bestellt wurde. Was ist an dieser Auftragsarbeit nun Kunst? Die Idee, so ein Bild malen zu lassen?

Auch die Texte verdeutlichen den Fluss der Veränderung zwischen Original und den Interpretationen durch andere. Seine Texte hat er in italienisch geschrieben. Diese wurden dann – nicht mehr von ihm – ins Deutsche übersetzt und dann noch einmal sprachlich aufpoliert. Wie viel Original steckt dann noch in den Texten? Wie viel Kunst? Am Ende steht die rote, leere Wand. Gibt es dafür keine „echte“, originale Kunst mehr? Oder ist sie ein Zeichen für einen Neuanfang, dafür, dass hier bald etwas hängt, was „wie Kunst aussieht“? So viele Fragen – und fertige Antworten gibt es keine. Man muss sich schon intensiv lesend durch die LAF-Räume bewegen und sich die Antworten erarbeiten. Zur Ausstellungseröffnung war das wegen des großen Besucherandrangs allerdings nicht ganz so leicht.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Januar 2017, donnerstags bis sonntags von 16 bis 19 Uhr im LAF-Projektraum, Östliche Karl-Friedrich-Straße 7, zu sehen.

1966 im italienischen Avigliano geboren, studierte Vito Pace an der Accademia di Belle Arti in Florenz. Seit 1994 hat er einen Lehrauftrag für Bildhauerei an der Hochschule Pforzheim, 2010/2011 vertrat er dort die Professur für Bildhauerei. 2005 und 2006 leitete er Seminare an der Universität Frankfurt und der Kunstakademie in Foggia.