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12.10.2015

„Viva Voce“ singt sich in die Herzen des Publikums

Pforzheim. Zum Glück war „Viva Voce“ mit von der Partie! Denn wäre nur von der jungen A-cappella-Formation „Unduzo“ die 11. Nacht der Stimmen im Kulturhaus Osterfeld bestritten worden, vermutlich würden Sie jetzt an dieser Stelle schlicht und ergreifend einen Verriss lesen.

Die Freiburger Sangestruppe – Linda Jesse, Cornelius Mack, Patrick Heil, Richard Leisegang und Julian Knörzer – mag zwar über im Team exzellente Gesangsstimmen verfügen, aber an Witz und Überraschungsmomenten fehlt es der Truppe, zumindest beim Pforzheimer Auftritt, leider völlig. Zudem war der Sound „breiig“, der viel zu üppig bestellte Bühnennebel reichte schon vor dem Auftritt weit in den Saal und die selbstgefällige und langatmige Erläuterung der von Julian Knörzer  eingesetzten Loop-Technik provozierte im eher geduldigen und beifallsfreudigen Pforzheimer Publikum den merklich ungeduldigen Zuruf: „Wir haben’s kapiert!“

Wie man’s deutlich besser macht, demonstrierten die fünf Rampentiger von „Viva Voce“ schon mit dem allerersten Medley in der zweiten Konzerthälfte: Sie verquickten George Ezras „Budapest“ gekonnt mit dem Titel „Sky Full Of Stars“ von Coldplay und ließen das Ganze in die fußballdeutsche Hymne „Ein Hoch auf uns“ abdriften. Das war ganz großes Kino und zeigte gleichzeitig – ob nun gewollt oder ungewollt – den eklatanten Klassenunterschied zu „Unduzo“ auf. Fairerweise sollte an dieser Stelle natürlich nicht verschwiegen werden, dass „Viva Voce“ aus Ansbach inzwischen über 17 Jahre Bühnenerfahrung verfügt, auf einer dauerhaften Erfolgswelle schwimmt und im Gegensatz zu den Freiburgern bereits zahlreiche Alben produziert hat. „Viva Voce“, das sind Bastian Hupfer, David Lugert, Jörg Schwartzmanns, Heiko Benjes und Mateusz Phouthavong. Außer dem eloquenten Saarländer Bass Benjes stammen alle aus Franken und wurden im Windsbacher Knabenchor stimmlich geschult.

Mit einer grandiosen Persiflage auf Max Raabe, dem sie Hubert von Goiserns Mundart-Song „Brenna tuat‘s guat“ in den Mund legen und einem 90er-Jahre-Medley – von „A la la Long“ (Inner Circle) bis „I like To Move It“ (Will I Am) – sorgten „Viva Voce“ für die Glanzlichter auf der Bühne. Nach der Zugabe („United States Of Eurasia“ von Muse), samt der an Chopin erinnernden Schluss-Etüde, stellten sich die „Viva Voce“-Sänger im Foyer nicht nur den Autogrammjägern, sondern gaben mit Falcos „Egoist“ eine „After-Show-Einlage“ zum Besten.

„Trigger“ am Hals

Eine Besonderheit trägt das jüngste „Viva Voce“-Mitglied, Mateusz Phouthavong, am Hals aufgeklebt: Einen sogenannten „Trigger“, einen Tonabnehmer wie er in der „vordigitalen Zeit“ an die Felle der Drums gefügt wurde. Im Osterfeld war diese Technik schon einmal zu sehen: am Hals von Colin Brown (vom britischen Comedy-Duo Carrington Brown). Heiko Benjes verriet dazu: „Colin hat die Choreografie unserer aktuellen Ego-Show gestaltet. Der Mann ist ein Phänomen. Immer wenn wir sagen, das kann man nicht singen, tanzt und singt er’s uns vor!“

Robin Daniel Frommer