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Agierte mit musikantischem Charme und Grazie: die Violinistin Yuki Manuela Janke.  Foto: Tilo Keller 
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Viele überraschende Einfälle, lebensfrohe Musik: das Sinfoniekonzert der Badischen Philharmonie unter der Leitung des Gastdirigenten Anthony Bramall im CongressCentrum Pforzheim.  Foto: Tilo Keller 

Volle Klang-Energie, Glut und Wucht: So war das Sinfoniekonzert der Badischen Philharmonie Pforzheim

Pforzheim. Der Zuhörer muss am Fortgang des musikalischen Geschehens anhaltendes Interesse finden, sich an klangschönen oder überraschenden Einfällen erfreuen können. Dann sind Komposition und Wiedergabe erfolgreich. Beim sechsten und letzten Spielzeit-Sinfoniekonzert der Badischen Philharmonie Pforzheim waren solche Voraussetzungen gegeben, besonders bei der Aufführung von Alexander Glasunows a-Moll-Violinkonzert (op. 82).

Die junge Geigerin Yuki Manuela Janke und das von Gastdirigent Anthony Bramall geleitete Orchester präsentierten im CongressCentrum Pforzheim (CCP) das Konzert des russischen Spätromantikers als lebensfrohe Musik. Die Solistin agierte mit musikantischem Charme und Grazie, der Chefdirigent des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz ließ die Philharmonie zur Höchstform auflaufen. So setzte sich das sinfonisch erweiterte Pforzheimer Theaterorchester nicht nur als begleitender, sondern auch als eigenständiger Klangkörper und Dialogpartner eindrucksvoll in Szene.

Verschwenderischer Umgang

Die drei ohne Pausen ineinander verwobenen Sätze des kompakt kurzen, 20 Minuten in Anspruch nehmenden Glasunow-Konzerts, das von dem berühmten Geigenvirtuosen Jascha Heifetz in die Konzertsäle der Welt getragen wurde, boten unentwegt fortgesponnene, rasant beschleunigte oder gedehnte, umakzentuierte sowie schrundig aneinandergefügte Motive und Themen, mit denen der Komponist verschwenderisch umgeht.

Yuki Manuela Janke musizierte in tiefen Lagen vibratosatt mit sonor aufgerautem Geigenton und zeichnete – im Kontrast dazu – hohe sangliche Linien und Bögen gleichsam mit zartem Silberstift. Fulminant-virtuos formte sie mehrere Spiccato- und Doppelgriff-Phrasen aus, auch ihre Kadenz, die eine Brücke zwischen dem „Moderato“ und dem finalen „Allegro“ bildete, das von fröhlichem Elan getragen wurde. Hierbei kam das Orchester mit seinen umfangreichen Bläsergruppen zum Zuge. Die Zugabe, ein Violin-Sonatensatz von Johann Sebastian Bach, rundete mit ruhig gelassenem Klangcharakter die gelungene Performanz ab.

Mit voller Klang-Energie, Glut und Wucht, zuweilen allerdings ziemlich knallig und lärmend auf traditioneller Vollfettstufe, interpretierte die Pforzheimer Philharmonie zudem Werke von Ludwig van Beethoven – das Programm einleitend als Appetithappen die Ouvertüre zu „Fidelio“, nach der Pause die großartige Sinfonie Nr. 7 in A-Dur (op. 92).

Mit wildem Temperament

Die weitgespannte Struktur dieser Komposition wurde mit gestischer Heftigkeit auch vom Dirigenten wie ein Kraftakt zelebriert. Beispielhaft sei der mitreißende Finalsatz herausgehoben, der mit wildem Temperament und explodierenden orchestralen Ausbrüchen beeindruckte. Freilich blieben die Fortissimo-Passagen gleichförmig schrill, Laustärke-Abstufungen und Differenzierungen fanden hier kaum statt. Das Publikum im eher mäßig besuchten CCP-Konzertsaal war jedenfalls begeistert und feierte die Interpreten.