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Blick durch die Skulptur von Axel Anklam auf das Werk von Manuela Tirler, das gerade von Dennis Dürrstein (links) und Hans-Jörg Wagner aufgestellt wird. Foto: Fotomoment
Blick durch die Skulptur von Axel Anklam auf das Werk von Manuela Tirler, das gerade von Dennis Dürrstein (links) und Hans-Jörg Wagner aufgestellt wird. Foto: Fotomoment
11.11.2016

Vollendet: moderne Kunst und Klostermauern in Maulbronn

Maulbronn. Es ist ein sehr gelungener Abschluss: Mit der Skulptur „Wheed Sphere“ von Manuela Tirler ist der Maulbronner Skulpturenweg vollendet. Acht Arbeiten von acht zeitgenössischen Künstlern bilden einen spannenden Blickfang vor den Klostermauern des Weltkulturerbes. Und schlagen einen Bogen von den arrivierten Künstlern des Südwestens – Werner Pokorny, Franz Bernhard, Andrea Zaumseil, Karl Manfred Rennertz, Ingrid Hartlieb und Robert Schad – zu den jungen, aufstrebenden Bildhauern Axel Anklam und Manuela Tirler. Beide sind Gerlinde-Beck-Preisträger und beide arbeiten mit höchst interessanten Strukturen. Doch während Anklams Edelstahlskulptur „Mooka“ in beschwingter Leichtigkeit in die Höhe schwingt, scheint Tirlers Arbeit erd- und naturverbundener. Selbst wenn die rund 375 Kilo schwere Skulptur schwerelos über der Erde zu schweben scheint.

Auch der in Wiernsheim aufgewachsenen Künstlerin, die inzwischen ein Atelier in Plochingen betreibt, sieht man die Schwerstarbeit, die in diesen Plastiken steckt, nicht an: Die zierliche junge Frau formt das bis zu sechs Zentimeter starke massive Material in Kalt- und Warmbiegeprozessen, verformt den mal glatten, mal strukturierten Rundstahl, als hätten immense Naturkräfte hier gewaltet. Dabei entstehen Skulpturen, die an Steppenläufer erinnern, an organisch wuchernde Knäuel oder Reisigbündel, die eine zufällige Verbindung eingehen.

Und obwohl „Wheed Sphere“ einen Durchmesser von 2,50 Metern und eine Höhe von rund 90 Zentimetern hat, erscheint die Arbeit doch als leichte Zeichnung im Raum, als scheinbar gewichtslose Verbindung von verästelten Zweigen.

Gerade die neuen Großskulpturen sind in der Arbeit von Manuela Tirler wichtig geworden. Warum? „Weil ich jetzt ein Atelier habe, in dem ich in solchen Dimensionen arbeiten kann“, sagt die 39-Jährige. Als wichtige Unterstützung ihrer Arbeit sieht sie im Rückblick den mit 10 000 Euro dotierten Beck-Preis aus dem Jahr 2009. „Denn damit konnte ich meine erste Werkstattausrüstung finanzieren“, schildert sie. Inzwischen folgten weitere Preise und Stipendien, Teilnahmen an wichtigen Kunstmessen, Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum.

Wenn Pokorny, Rennertz und Schad zu international gefragten Bildhauergrößen gehören, dann sind Manuela Tirler und Axel Anklam auf dem besten Weg dahin. Und völlig zu Recht ein Teil des sehenswerten Maulbronner Skulpturenwegs.