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01.07.2016

Voller Ideen und Tatendrang: Heike Hastedt ist seit einem Monat Stadtkirchenkantorin

Heike Hastedt ist so frisch in Pforzheim, dass sie noch jeden Tag etwas dazulernt. Zum Beispiel über ihren Arbeitsplatz, die Stadtkirche. Dort arbeitet sie seit einem Monat als Kantorin. Doch nach den Lichtschaltern, da muss sie noch kurz suchen. Dann aber tauchen die Leuchten ins Licht, was für die nächste Zeit Hastedts Arbeitsplatz sein wird: die Empore der Stadtkirche – groß und weit und hoch über dem Kirchenraum. An der Wand: die Orgel. Um Hastedt herum Instrumente, Notenständer, die Requisiten der vergangenen Bachstunde.

„Das ist doch ein beeindruckender Raum“, sagt die Kantorin. Sie mag ihn, die Architektur, die Lage zwischen den Flüssen – und sie mag die Aussage, die die Stadtkirche damit macht über die Bedeutung der Musik. So groß ist die Empore, dass Hunderte Sänger auf ihr Platz finden, so zentral, dass sie mit dem Altar um den ersten Blick konkurriert, und so weit oben, dass jeder merkt: Musik wird großgeschrieben an dieser Kirche. Deswegen ist Hastedt hier.

Bedeutende Stelle

Denn dass hier ein guter Ort ist, um Kirchenmusiker zu sein, dass weiß man nicht nur in Pforzheim. Dass weiß man in der badischen Kirche – und das wusste auch Heike Hastedt. Auch als sie Kantorin war in Villingen, dort unten, ganz verwurzelt schon, mit Mann und Kind und Haus – und als sie sich trotzdem entschied, nach Pforzheim zu kommen. Es ist wegen der Musik – und weil sie gefragt wurde. Dass sie eine gute Arbeit macht im schmucken Uhrmacherstädtchen, das war bis nach Pforzheim gedrungen. Ob sie denn nicht die Nachfolge antreten wolle von Christian Stähr, der nach nur anderthalb Jahren als Kantor aufgegeben hat. Hastedt denkt nach, besucht Pforzheim, merkt: Hier ist ein Fundament für Musik. Und sie sagt zu. „Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie mehr.“

Da hat sie gute Jahre in Villingen verbracht, beinahe 20, und viele Momente großer Musik erlebt. „Ich hatte das Glück, alle wichtigen Werke der Kirchenmusik aufzuführen.“ Die Neuorientierung kommt recht. Denn dass sie sich noch einmal bewegen will, das weiß Hastedt. Als der Ruf aus Pforzheim kommt, studiert sie schon wieder: Musikvermittlung in Detmold, berufsbegleitend.

Sie fragt, wie man Kirchenmusik in die Mitte der Gesellschaft trägt, wie man mehr Zuhörer anspricht. Aus der Theorie soll in Pforzheim Praxis werden. Im Advent gibt es das Weihnachtsoratorium zum Mitsingen, im kommenden Jahr eine eigene Konzertserie für Kinder. Hastedt will etwas bewegen. Alles umstürzen aber will sie nicht. Dafür ist sie viel zu zufrieden mit der Situation. Mit der Bachstunde zum Beispiel.

„Wo gibt es denn eine vergleichbare Konzertreihe, die an einem Werktag so viele Besucher anzieht?“, fragt sie. Oder damit, dass die Kirchenmusik ihrem Ruf gerecht wird. „Der Name Pforzheim steht für eine breit aufgestellte und qualitätvolle Kirchenmusik.“ Die hat Hastedt gefunden, sie wird mit ihr arbeiten – und es wird anders sein als in Villingen. „Dort, in der absoluten Schwarzwaldidylle, muss man andere Schwerpunkte setzen als in Pforzheim.“ Mehr Neue Musik könnte sich Hastedt vorstellen, viel Bach. Aber in allem: Ausgewogenheit. „Das Schöne in Pforzheim ist auch die Vielfalt. Hier kann man ganz unterschiedliche Stile realisieren.“

Die Infrastruktur ist da. Das Bachorchester, der Oratorienchor, die Kurrende. Es gibt genug zu tun. So ein Kantorentag dauert gerne bis 22.30 Uhr – und richtig frei hat Hastedt nur freitags. Dann fährt sie zu ihrer Familie nach Villingen. Aber nicht mehr lange. Im kommenden Jahr macht die Tochter dort Abitur, ist dann weg zum Studium. Hastedt zieht es ganz nach Pforzheim und auch ihren Mann, der ebenfalls Kirchenmusiker ist. Dann ist die Kantorin volends angekommen – und weiß sicher sofort, wo der Lichtschalter zur Empore ist.