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Gut bei Stimme: Sandie Wollasch interpretiert Hits auf ganz eigene Weise.
Gut bei Stimme: Sandie Wollasch interpretiert Hits auf ganz eigene Weise.
26.10.2015

Volles Haus beim Brettl-Kehraus

Veranstaltungsreihe zum letzten Mal zu Gast im Kulturhaus Osterfeld. Flotte Musik und bissiges Kabarett begeistern die Zuschauer.

Pforzheim. Ein schmerzlicher Abschied: Das Radioprogramm SWR2 verschwindet vor Ort. Vielen Zuschauern war es nicht bewusst, aber der Auftritt der Kabarettisten Rüdiger Hoffmann und Sascha Korf sowie des Akustik-Trios Hautsch-Baldu-Wollasch im ausverkauften Kulturhaus Osterfeld war die letzte Live-Aufzeichnung des „Studio-Brettl“ – einer seit den 1950er-Jahren beliebten Hörfunksendung, in der ausnahmslos alle Künstler aufgetreten sind, die in Comedy oder Kabarett bis heute großen Publikumszuspruch erfahren.

Von Fifa bis Wendler

Vollgas-Plauderer Sascha Korf (47) sorgt beim Abschluss-Brettl für beste Stimmung von Anfang an. Im Handumdrehen versteht es der Kölner, den Zuschauern in der ersten Reihe alle Informationen aus den Rippen zu leiern, mit denen er seine Improvisation in beiden Brettl-Sets befeuert. Dazwischen streut er sarkastische Kommentare zum Fifa-Korruptions-Skandal oder posaunt einfach in das sich vor Lachen biegende Publikum: „Der Wendler war im Dschungelcamp! Da haben die Kakerlaken gesagt: Jetzt reicht’s.“

Es zählt zu den lobenswerten Besonderheiten des schwindenden Brettl-Formats, dass zwischen Korf und dem bedächtig sprechenden Rüdiger Hoffmann – „Ja, hallo erst mal“ – mit dem Trio Hautsch-Baldu-Wollasch eine völlig andere Darbietung platziert wird. Genau dieser Kunstgriff macht den Unterschied zur Springflut austauschbarer Comedy-Revuen, in der sich ausnahmslos Stand-up-Comedians die Klinke in die Hand geben.

Sandie Wollasch (Gesang), Tommy Baldu (Percussion) und Matthias Hautsch (Gitarre) überzeugen mit akustischen Interpretationen von Hits wie „Eleanor Rigby“, „Tainted Love“ oder „Another One Bites The Dust“ und werden – keineswegs nur als Lokalmatadoren – vom Osterfeld-Publikum in beiden Sets ausgiebig gefeiert.

Langeweile in Dänemark

Die betont langsam vorgetragenen Sketche von Rüdiger Hoffmann (51) bilden den Abschluss beider Programmhälften. Der aus Paderborn stammende Comedian lässt – zur hörbar hellen Freude des Pforzheimer Publikums – seiner Abneigung gegen Wellness, Pärchen-Urlaub, Berg-Echo, Wüsten-Safaris und grüne Gras-Küsten freien Lauf.

„Dänemark ist, wie der Farbe beim Trocknen zusehen – scheißlangweilig“, erklärt er den zustimmend vor Lachen prustenden Zuschauern, oder: „Mein Vater hat mich in den Bergen immer tagelang geohrfeigt – weil er das Echo so schön fand.“