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Thomas Hensel (links) und Robert Eikmeyer von der Hochschule Pforzheim haben die Ausstellung „Bau [Spiel] Haus“ im Neuen Museum in Nürnberg kuratiert. Fotos: dpa/Karmann/März

Vom Bauhaus zum Silicon Valley: Ausstellung „Bau [Spiel] Haus“ in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim

Nürnberg. Wie verspielt das Bauhaus sein kann, ist ab Freitag in Nürnberg zu erleben: Die Ausstellung „Bau [Spiel] Haus“ im Neuen Museum zeigt mehr als 100 Artefakte (oder auch Exponate) aus mehr als 100 Jahren. Darunter sind Spielzeuge, polyfunktionale Möbel und visionäre Architektur-Entwürfe.

„Wir zeigen die spielerische Kultur des Bauhauses unter anderem mit Blick auf aktuelle Kreativräume und Innovationslabore“, sagte Professor Thomas Hensel, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung, die in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim entstand. Co-Kurator Robert Eikmeyer, der ebenfalls Kunst- und Designtheorie in Pforzheim unterrichtet, umreißt den weiten Bogen der Schau: „Der Untertitel der Ausstellung könnte auch vom Bauhaus zum Silicon Valley lauten“, denn die ganzheitliche Entwicklung einer Persönlichkeit, wie sie besonders im Bauhaus-Vorkurs angestrebt wurde, finde sich auch in den Firmenphilosophien von Facebook bis Google – allerdings unter anderen Vorzeichen. Dies illustrieren in der Ausstellung Entwürfe zum neuen Unternehmenssitz von Amazon in Seattle, ein Workspace zum „Leben, Lernen, Arbeiten und Spielen“.

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Ausstellung „Bau [Spiel] Haus“ in Kooperation mit der Hochschule Pforzheim

Die Bauhausschule nutzte den Spieltrieb des Menschen als Motor für Entwicklung und Gestaltung. Schon Bauhaus-Meister wie Walter Gropius und Johannes Itten erkannten das weitreichende soziale und gestalterische Potenzial des Spiels, das beispielsweise die Bauhausstudentin Alma Siedhoff-Buscher in ihrem polyfunktionalen Spielzimmer umsetzte. Ihre nach dem Baukastenprinzip gestalteten Möbel, die auf Offenheit und Kreativität ausgelegt sind, stehen heute in der modern interpretierten Form in zahlreichen Kreativzentren. Die Würfel und Bausteine von Friedrich Fröbel, dem Erfinder des Kindergartens, finden sich in Lego-Baukästen und Computerspielen, wie Minecraft, wieder.

Die Ausstellungs-Architektur des britischen Künstlers Liam Gillick ist ebenfalls spielerisch: In ihrer Zickzack-Anordnung, die auf die berühmten Papierfaltungen aus Josef Albers Vorkurs anspielt, lassen sich die Objekte visuell vielseitig aktiv erleben. Die Schau endet mit dem Bereich „Tabula rasa“: Die leere Tafel, das weiße Blatt und das Schiffbauspiel nach Siedhoff-Buscher, das der Spielzeughersteller Naef zum Bauhaus-Jubiläum herausbringen wird – mit rein weißen Klötzen.

Umrahmt werden die Bauhausarbeiten von Kunstwerken, wie dem Textil „Black White Grey“ von Gunta Stölzl (1897–1 983) nach einem Entwurf von Anni Albers, Olaf Nicolais Leuchtkästen „Work Game Party“ und Eva Grubingers übergroßem Geduldsspiel „Problem#6“, das unlösbar ist.

Professor Thomas Hensel und Robert Eikmeyer sprechen über die Ausstellung in der Vortragsreihe Artefakte am 4. April um 18.30 Uhr in der Aula der Fakultät für Gestaltung, Holzgartenstraße 36.

Die Ausstellung in Nürnberg ist bis 16. Juni täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Internet: www.designpf.hs-pforzheim.de