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Gerhard Polacek und Reiner Hiby (rechts) präsentieren Lieder des goldenen Wiener Kabaretts in den 1950er-Jahren. Foto: Molnar
Gerhard Polacek und Reiner Hiby (rechts) präsentieren Lieder des goldenen Wiener Kabaretts in den 1950er-Jahren. Foto: Molnar
20.11.2017

Von Halbstarken und Sauflustigen: Kabarett im Kulturverein Schulze

Pforzheim. Missstände und Nachkriegslügen haben sie aufgedeckt – der österreichische Kabarettist Helmut Qualtinger und der Songschreiber Gerhard Bronner. Mit politisch brisanten Liedern wie „Der Papa wird’s scho richten“ oder dem Lied über Halbstarke „Der Marlon Brando mit seiner Maschin‘“ sind sie bekannt geworden. Der Schauspieler und gebürtige Wiener Gerhard Polacek lässt die Songklassiker des goldenen Wiener Kabaretts in den 1950er-Jahren mit dem Nürtinger Pianisten Reiner Hiby wieder aufleben – bei einem Lieder-Lese-Abend in der intimen Wohnzimmer-Atmosphäre des Kulturvereins Schulze.

Schon dreimal waren sie in der Schulze-Delitzsch-Straße zu Gast. Auch jetzt ist das Duo ganz in seinem Element, bringt die Lieder mit Herzblut und jazzigem Schwung auf die kleine Bühne. Vom Text ist aber kaum etwas zu verstehen. Schade, zählen doch bei einem satirischen Programm gerade die Inhalte. Der breite Wiener Dialekt kommt obendrein in recht schiefer Gesangslage daher. Gerhard Polacek verfügt über eine raue, kraftvolle Stimme, doch an vielen Stellen lässt die Intonation zu wünschen übrig. Da wären ein paar mehr von den Wechselgesängen, bei denen der Pianist Reiner Hiby – von Haus aus Opernsänger – mitmischt, schön gewesen. So wie beim „Jedermann-Kollapso“ zum Beispiel, einem ironischen Stück von Qualtinger über die überholte Tradition, Jahr für Jahr den „Jedermann“ am Salzburger Burgtheater aufzuführen.

Mit trockenem Humor

Über der Melodie von Harry Belafontes „Banana Boat Song“ singen sie Zeilen wie „Brüaderl kumm, deine Stunden san um“. Als launiger Boogie Woogie kommt „Der „g’schupfte Ferdl“ daher, schmissig auch der „Kartendippler Blues“ mit schöner Klavierbegleitung. Dass Qualtinger gerne über den Durst trank, wird bei „A Krügerl, a Glaserl“ offensichtlich. Und dass die Großstädter vor Langeweile nicht wussten, was sie machen sollten, sich nur fragten „Was kann denn i dafür, dass ich so viel Zeit hab?“, wird bei dem Lied „Weil mir so fad is“ klar.

Zwischendurch liest Polacek Geschichten des Wieners über Travnicek und seinen Freund – mit trockenem Humor. Zum Schluss stimmen die textsicheren Zuhörer in die Zugabe „Schnucki, ach Schnucki“ mit ein und spenden viel Applaus.