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Die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich: Hans-Jürgen Zander als Operndirektor (grauer Anzug) diskutiert mit Sekretär Rémy (Alexander Hohler). Foto: Roller
Die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich: Hans-Jürgen Zander als Operndirektor (grauer Anzug) diskutiert mit Sekretär Rémy (Alexander Hohler). Foto: Roller
11.01.2019

Von Spannung keine Spur: „Phantom der Oper“ im CCP kann nicht überzeugen

Pforzheim. Christine ist verzweifelt. Eigentlich will sie nur auf der Bühne stehen und singen. Aber der Direktor des Opernhauses ist alles andere als nett zu der jungen Frau, will sie einfach nicht besetzen. Ganz im Gegensatz zum Geist der Musik. Ihm gehorcht sie. Er erteilt ihr Gesangsunterricht und versucht, mit finsteren Machenschaften ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen.

Koste es, was es wolle. Drohbriefe tauchen auf, Kronleuchter fallen von der Decke. Hinter dem Geist der Musik verbirgt sich das Phantom der Oper: eine entstellte, tragische Figur, die ein einsames Dasein fristet, unverstanden von der Welt. Christine erweicht das Herz des Phantoms, das sich in sie verliebt.

Chaos nimmt seinen Lauf

Eine vertrackte, komplizierte Beziehung, die im Mittelpunkt der Inszenierung von Manfred von Wildemann steht. Nicht lange dauert es, bis das Chaos in der von der Central Musical Company auf die Bühne des Pforzheimer CongressCentrums gebrachten Version der von Gaston Leroux stammenden Romanvorlage seinen Lauf nimmt. Erst recht, als Christine (Stefanie Wesser) hin- und hergerissen ist zwischen dem Phantom (Philipp Landgraf) und Raoul (Fabian Klatt), ihrer wahren Liebe. Dann wird gekreischt, geschrien, diskutiert. Und wenn es sein muss, auch wild gestikuliert.

Das Phantom versetzt die ganze Oper in Unruhe. Oder in etwas Ähnliches. Denn aufregende oder gar spannende Momente gibt es selten in dieser Inszenierung, die mit dem Musical Andrew Lloyd Webbers kaum etwas am Hut hat. Eigentlich gar nichts.

Der Text stammt von Paul Wilhelm, die Musik von Arndt Gerber. Wirklich überzeugend ist beides nicht. Nicht die Dialoge, die stellenweise vorhersehbar sind, ohne erkennbaren, der sprachlichen Ästhetik dienenden Einsatz von Stilmitteln. Und schon gar nicht die Liedtexte, die oft genug aus Binsenweisheiten bestehen, aus Wiederholungen. Ob ihre Funktion darin besteht, das Offensichtliche noch einmal zusammenzufassen? Könnte ja sein, dass einer nicht alles mitbekommen hat. Wobei das fast unmöglich sein dürfte angesichts des eher behäbigen Erzähltempos. Das Ganze zieht sich.

Langeweile macht sich breit im Großen Saal des CongressCentrums. Gähnend ist auch die Leere: Ganze Reihen ohne Zuschauer. Die vier Balletttänzerinnen scheint es nicht zu jucken. Sie hupfen mehr oder weniger leichtfüßig über die nur spärlich mit Requisiten ausgestattete und von einer Videoprojektion dominierte Bühne – zu einer Choreographie, die durch Trivialität geprägt ist.

Einige Peinlichkeiten

Die Schauspieler machen ihre Sache ganz ordentlich, überzeugen bei den Gesangspartien mit starken Stimmen und versuchen, das Beste rauszuholen aus den hölzern-gestelzten Dialogen. Auch die Musiker des von Lajos Taligás geleiteten Orchesters agieren beweglich, liefern immer wieder schöne Farben und schaffen damit zeitweise tatsächlich so etwas wie eine schaurig-schöne Atmosphäre. Allerdings nur so lange, bis das Phantom aus dem Off sonor zu stöhnen beginnt und künstliche Synthesizer-Klänge aus dem Lautsprecher scheppern.

Zu den weiteren Peinlichkeiten zählt eine Schaufensterpuppe, die im weißen Kleid am Bühnenrand ein einsames Dasein fristet. Was sie dort zu suchen hat? Keine Ahnung. Nach zweieinhalb Stunden steht sie jedenfalls immer noch dort. Dann spendet das Publikum brav höflichen Beifall, die Darsteller verbeugen sich. Eine Zugabe wird nicht verlangt. Warum auch?