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Unter der Leitung von Kord Michaelis gelingt dem Motettenchor ein anregender Konzertabend. Foto: Molnar
Unter der Leitung von Kord Michaelis gelingt dem Motettenchor ein anregender Konzertabend. Foto: Molnar
19.05.2017

Von der Sorge zur Zuversicht: Motettenchor Pforzheim

Pforzheim. Einen Querschnitt typisch geistlicher, deutscher Vokalmusik präsentiert der Motettenchor Pforzheim bei der zweiten Bachstunde. Echte Klassiker wie Bachs Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ oder Scheins Motetten aus dem „Israelsbrünnlein“ stehen auf dem Programm, mit dem der Motettenchor am Pfingstwochenende auf Konzertreise nach Lettland gehen wird.

In der evangelischen Stadtkirche bewirkt der A-cappella-Gesang unter Leitung von Kord Michaelis eine große Ruhe und geistliche Inspiration, zeichnet den Weg von der Sorge des israelischen Volkes hin zur Zuversicht bei der abschließenden Bachmotette.

Eröffnungsstück ist die klangschöne Psalm-Motette „Warum toben die Heiden“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die dem achtstimmigen Doppelchor ausgesprochen gut gelingt. Das romantische Werk kommt ohne große Effekte aus, wirkt schlicht und klar strukturiert. Einige Stellen wie „Du sollst sie mit eisernem Szepter zerschlagen“ treten akzentuiert hervor, aber ohne allzu viel Nachdruck.

Mit Johann Hermann Schein und Rudolf Mauersberger werden weitere Kompositionsstile aufgezeigt – insgesamt ist Chormusik aus vier Jahrhunderten zu hören. Scheins „Israelsbrünnlein“, das als wichtigste deutsche Motetten-Sammlung des 17. Jahrhunderts gilt, stellt eine Besonderheit dar, wird doch der weltliche Madrigalstil mit der geistlichen Motette vereint. Und: Die Texte sind keine italienischen Liebesgedichte, sondern Bibelsprüche des Alten Testaments.

Drei dieser geistlichen Madrigale stellt der Motettenchor vor, etwa „Was betrübst Du Dich, meine Seele“. Die Titelzeile hebt sich gerade durch ihre Ruhe und dunkle Klangfarbe vom Rest ab. Schön auch die zunächst traurig-anmutende Motette „Unser Leben währet 70 Jahr‘“, die am Schluss bei „flögen wir davon“ in schnelle Achtelpassagen übergeht.

Polyphone Werke des Zeitgenossen Heinrich Schütz dürfen in so einem Programm natürlich nicht fehlen. Von ihm erklingt beispielsweise die Motette „Herr, wenn ich nur Dich habe“.

Mal wird der Chor auf Soprane und Bass reduziert, mal auf einen vierstimmigen Männerchor wie bei Mauersbergers Motette „Herr, lehre doch mich“. Mit seiner berührenden Motette ist der Chor im 20. Jahrhundert angelangt, ebenso mit Frank Martins „Sanctus“ für achtstimmigen Doppelchor – das einzige lateinische Stück des Abends.

Vom expressiven, stetig wiederholten „Sanctus“-Ruf zu Beginn geht der Chor zu gebetsartigen Partien über und steigert sich zum gewaltigen „Hosanna“. Mit Johann Sebastian Bachs vielschichtiger Trauermotette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“, die schwungvoll beginnt, eine schnelle Doppelfuge impliziert und mit einem harmonischen Choral schließt, geht die Bachstunde zu Ende.