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Künstler mit Ecken und Kanten: Thomas Godoj. Foto: Roller

Von wegen Kuschelrock: Thomas Godoj und Band bringen Remchinger Kulturhalle zum Beben

Remchingen. Wummernde Bässe, harte Gitarrenriffs und schnelle, unerbärmlich nach vorne preschende Melodien ohne Schnörkel: Den Kuschelrock hat Thomas Godoj längst hinter sich gelassen, das Image des Schnulzensängers schon vor vielen Jahren abgelegt.

Mittlerweile bevorzugt der 41-Jährige die etwas härtere Gangart, macht mitreißende, ehrliche Rockmusik mit deutschen Texten.

Was freilich nicht bedeuten soll, dass die Inhalte seiner Titel belanglos wären. Im Gegenteil: Als er am Donnerstagabend in der Remchinger Kulturhalle auf der Bühne steht, springt der Funke sofort aufs Publikum über. Godojs Texte treffen voll ins Schwarze.

Engagiert gegen Rechts

Seine Songs haben Ecken und Kanten, tragen Titel wie „Keine Option“, „Katharsis“ oder „Kopf unter kaltes Wasser“. Es geht nicht nur um die Höhen und Tiefen des Lebens, um große Gefühle und um Freiheit. Der ursprünglich aus Polen stammende Sänger bezieht auch deutlich Position zu gesellschaftlichen und politischen Themen, spricht sich klar gegen Rechtsextremismus aus und gibt missbrauchten Kindern eine Stimme. Godoj sagt, was er denkt. Er lässt sich nicht mehr verbiegen und in Schemata pressen. Vorbei sind die Zeiten, in denen er bei einer Casting-Show das gespielt hat, was die breite Masse von ihm hören wollte. Der profitorientieren Musikindustrie und dem sensationslüsternen Medienzirkus hat er den Rücken gekehrt.

Seine aktuelle, im vorigen Mai erschienene Platte heißt „13 Pfeile“. Von ihr stammen die meisten Songs, die er in Remchingen spielt. Während an der Decke die Scheinwerfer kreisen und blinken, steht er locker auf der Bühne, breitbeinig, mit einer vierköpfigen Band, eine Hand fast immer am Mikrofon. Seine tiefe, raue, kratzige Stimme füllt die ganze Halle. Erst recht, wenn er den Mund weit aufreißt und mit voller Kraft in das Mikrofon singt, das er wahlweise mit der rechten oder der linken Hand fest umklammert hält.

Für die „wunderschönen Menschen“ im Publikum gibt der Vollblutmusiker alles. Zwischendurch ein Schluck aus der Wasserflasche, dann geht’s weiter. Das Publikum springt auf und ab, klatscht mit, singt mit und wenn Godoj das Zeichen dafür gibt, recken sich alle Hände nach oben, um sich anschließend mal langsamer, mal schneller, von links nach rechts zu bewegen. Die Zuhörer erleben an diesem Abend einen Sänger, der sich erfolgreich neu erfunden hat. Einen, dem man tatsächlich abnimmt, dass ihm die Musik Freude bereitet.

„Ihr seid ein super Publikum“, sagt er noch, bevor er sein Konzert nach fast zwei Stunden und vier Zugaben unter tosendem Beifall beendet.