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Persönliche Gegenstände sind im Hesse-Museum ausgestellt. Foto: Crivelli
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Eine Landschaft, die Hermann Hesse liebte: Blick auf die Kirche St. Abbondio in Montagnola. Foto: Crivelli
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Auch Hesse hat die Aussicht aus dem Torre Camuzzi genossen. Foto: Crivelli
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Idyllisch: Eingang zum Hesse-Museum. Foto: Crivelli

Vor 100 Jahren die Seelenheimat gefunden: Hermann Hesse und sein kleines Museum in Montagnola

Montagnola. Wir schreiben das Jahr 1919: Hermann Hesse ist 42 Jahre alt und trennt sich von seiner Familie. Mia ist von Depressionen geplagt, die drei Jungs sind bei Freunden untergebracht. In dieser Lebenskrise siedelt er Mitte April 1919 ins Tessin um, zuerst nach Minusio bei Locarno, dann nach Sorengo oberhalb des Muzzaner Sees. Alles einfache Unterkünfte, die Freunde vermittelt haben. Am 11. Mai 1919 mietet er sich schließlich in Montagnola ein: vier kleine Räume in einem schlossartigen Gebäude, der Casa Camuzzi. Und er bleibt: ganze zwölf Jahre lang.

Erst 1931 zieht er mit seiner dritten Frau Ninon in die Casa Rossa, in deren großen Garten er Gemüse und Blumen zieht. Das Gebäude, in Sichtweite der Casa Camuzzi und nur zehn Minuten Fußweg entfernt, ist nach Hesses Wünschen erbaut worden, finanziert von seinem Freund Hans Conrad Bodmer.

Esperienza Hermann Hesse-Copyright Ticino Turismo - Foto Luca Crivelli
Bildergalerie

Hermann Hesse und sein kleines Museum in Montagnola

Welche wichtigen Werke in diesen Jahren entstehen, das lässt sich im kleinen Museum, eines der am meistbesuchten des Tessins, miterleben. Die permanente Ausstellung in den Räumen der Torre Camuzzi, gleich neben der ersten Wohnung des Nobelpreisträgers, gibt aber auch einen Einblick in den Alltag: Persönliche Gegenstände und Bilder sind ausgestellt – seine Brille, die Schreibmaschine, die zarten Aquarelle.

In der Casa Camuzzi schreibt er „Klingsors letzter Sommer“, „Siddharta“, „Narziss und Goldmund“, „Der Steppenwolf“, zahlreiche Gedichte sowie Erzählungen. Und er malt: Aquarelle, einige davon inzwischen im Besitz der Sparkasse Pforzheim Calw. Viele bekannte Persönlichkeiten und Prominente wie Theodor Heuss, Thomas Mann und Bertolt Brecht kommen nach Montagnola, um den Schriftsteller zu besuchen.

Hermann Hesse, seit 1924 Schweizer Bürger, fühlt sich in Montagnola zu Hause; die Landschaft und die besonderen Lichtverhältnisse der Collina d’Oro fesseln ihn – hier findet er seine Seelenheimat.