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1450 Besucher wollten am Freitag in Pforzheim Olaf Schubert sehen. Foto: Frommer
1450 Besucher wollten am Freitag in Pforzheim Olaf Schubert sehen. Foto: Frommer
14.01.2019

Vor 1450 Zuschauern im CCP Pforzheim: Was Olaf Schubert unterm Pullunder brennt

Pforzheim. Der sächselnde Schmalhans im Argyle-Pullunder ist Kult. Bundesweit. Olaf Schubert (51) gastierte am Freitag mit seinem aktuellen Programm „Sexy Forever“ im CongressCentrum Pforzheim (CCP) – was sich 1450 Zuschauerinnen und Zuschauer nicht entgehen lassen wollen.

Olaf Schubert stammt ursprünglich aus Plauen im Vogtland und lebt in Dresden – eine Stadt, die er auch schon mal als „Gravitationszentrum für braunen Feinstaub“ geißelt. Zu Beginn seines Auftritts im CCP präsentiert er dem Publikum – inmitten der für ihn typischen Worthülsen und Satzdrechseleien – seine ganz eigene Weltkarte: „Der Kapitalismus hat die ganze Welt im Würgegriff. Nur zwei gallische Dörfer leisten Widerstand – Nordkorea und Thüringen.“ Ein verbaler Seitenhieb auf die rot-rote Landesregierung in Erfurt, der – es scheinen zahlreiche Sachsen und Thüringer im Publikum zu sein – in Pforzheim sofort verstanden und mit Gelächter und erstem Beifall belohnt wird. Mit wie viel Verstand der Dresdner Comedian seine verschwurbelten Gedankengänge kalkuliert und konstruiert, wird kurz darauf, bei seiner nächsten Zwerchfell-Attacke deutlich: „Wenn die Beamten streiken – das merkt gar keiner. Wenn aber Piloten, Lokführer oder Prostituierte streiken, bleibt alles stehen.“ Der Gag braucht einen Moment, um bei allen zu sacken, aber Schubert kommt spätestens mit dem sich anschließenden realsatirischen Seitenhieb beim Pforzheimer Publikum endgültig an: „Wenn eine/r sich freiwillig entscheidet, Erzieher/in zu werden – der gibt ja zu, dass er vom Leben nichts mehr erwartet.“

Schale Witze über Frauen

Er sei seit 15 Jahren mit seiner Freundin Carola zusammen, sagt Schubert im CongressCentrum. Und legt nach: „Ich habe so gehofft: Die Ausländer nähmen uns die Frauen weg.“ In der Folge disst er die anderweitig verflossene Carola, seine mitreisenden Musiker und die Frauen insgesamt. Seine an das weibliche Geschlecht adressierten Gags sind deutlich derber, als man es von Schuberts Dauergastspielen etwa bei der ZDF-„heute“-Show gewohnt ist. Dünnes Eis – doch im CCP bleibt nennenswerter Protest aus, selbst als er mit Blick auf Frauen und Sex meint, „Hauptsache es zappelt und ist warm.“

Nonsens hat an diesem Abend Hochkonjunktur: „Ich bin Einzelkind. Wie alle meine Geschwister“, witzelt der sendungsbewusste Sachse. Oder: „Im Hafen der Ehe brauche ich keine aufgetakelte Fregatte, sondern einen wetterfesten Lastkahn.“ Auch Diesel-Skandal, Hybrid-Autos, Schönheitschirurgie (Schubert: „Änderungsfleischerei“) oder Cellulitis werden kräftig durch den Kakao gezogen. Und Flüchtlingskinder, lässt Schubert das Publikum wissen, könnten „beim Klavierunterricht schon mal die ersten Anschläge üben“.

Weniger griffig sind an diesem Abend Olaf Schuberts Ausflüge ans Gesangsmikrofon oder an ein sehr eigenwillig konfiguriertes Schlagzeug – das er bei der Dresdener Rockband Dekadance regelmäßig bedient. Um die Songs oder das wie ein roter Faden praktizierte Herumhacken auf seinem Gitarristen Jochen Barakas überzeugend zu finden, muss man vermutlich eine Alpha-Olaf-Fanbrille tragen. Nach Schuberts explizitem Dank für die „sitting ovations“, kombiniert mit dem jovialen Hinweis „falls Schwaben hier sind, es entstehen keine Mehrkosten“, erhält die Zugabe doch noch – stehenden – Saalbeifall.