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Da ging es im Sommer 2019 dahin, das „i-dipfele“ – ohne vorher künstlerisch genutzt zu werden.  Foto: Moritz (PZ-Archiv) 

Vor dem Abriss: Zeit für Kunst - CDU-Fraktion beantragt Frühwarnsystem für bedrohte Gebäude

Pforzheim. Vom „i-dipfele“ bis zur alten Postverteilerstelle an der Kronprinzenstraße: Die Liste verpasster Chancen für künstlerische Aktionen in Gebäuden, die vom Abriss bedroht sind, ist lang. Dabei böten sie eine ungewöhnliche Kulisse für letztmalige Nutzungen, sei es fürs Theater, das immer mehr im öffentlichen Raum wirken will, oder für Modenschauen der Hochschule, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen. Und auch die Bevölkerung könnte noch mal Abschied nehmen von teils im Lauf der Jahrzehnte liebgewonnenen Bauten.

Die CDU-Gemeinderatsfraktion unter der Federführung von Marianne Engeser und Andreas Sarow bittet die Stadt nun um zeitnahes Prüfen und Umsetzen von einer Art Frühwarnsystem. „Die Stadtverwaltung möge beschließen, dass das Kulturamt von der Baurechtsbehörde bei Anträgen von Abriss oder Umbau vorab informiert wird, damit das Kulturamt prüfen kann, ob das Gebäude mit Zustimmung des Eigentümers für eine temporäre künstlerische Intervention in Betracht gezogen werden kann“, heißt es darin. Kunst im öffentlichen Raum biete ein bisher unterschätztes Potenzial zur Imageförderung der Stadt nach innen und außen. Sie fördere zudem die Identität und Quartiersbelebung sowie die Kommunikation der Bevölkerung untereinander. Eine lückenlose Informationskette in Betracht kommender Gebäude bilde hierbei eine wichtige Grundlage, damit sie nicht einfach ohne Prüfung abgerissen und nicht mehr bespielt werden könnten. „Hier kann Pforzheim eine Vorreiterrolle einnehmen für die konsequente und systematische Verwertung solcher Objekte, bevor diese aus dem Stadtbild verschwinden.“ Schließlich stelle dieses Warnsystem einen wesentlichen Baustein im Kulturentwicklungsplan dar.

Das Kulturamt wäre laut CDU-Fraktion hierbei der Vermittler zwischen Eigentümer und Veranstalter/Künstler, während Kosten, Sicherheit und behördliche Auflagen beim Veranstalter/Künstler lägen. Eine finanzielle Unterstützung des Kulturamts sei möglich und stets im Einzelfall zu bewerten. Hierfür sei dem Kulturamt ein fester Betrag zu bewilligen.

Zwar eignen sich auch Leerstände für Kunstaktionen, doch diese werden dem Baurechtsamt nicht gemeldet. „Ich bin dafür, dass Leerstände dem Kulturamt von Bürgern angezeigt werden sollten, damit diese in den ,Raumkulissen-Pool’ mit aufgenommen werden können“, sagt Andreas Sarow der PZ, der bis 2019 mit seinen künstlerischen Umgestaltungen von Gebäuden selbst für überregionale Aufmerksamkeit sorgte und sich zuletzt für legale Graffiti-Flächen in der Stadt einsetzte.

Michael Müller

Michael Müller

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