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Nicht nur Bad Wildbad, auch Baden-Baden ehrt Clara Schumann – unter anderem mit dieser Büste am Rande der Klosterwiese.  Foto: Anspach/dpa 

„Wald außen, Musik innen“: Veranstaltungsreihe erinnert an Clara Schumann und ihre Kur in Bad Wildbad

Bad Wildbad. Das ist bemerkenswert: Aufenthalte in Bad Wildbad hinterlassen eindrückliche Spuren – früher wie heute. „Der Ort liegt gar friedlich, etwas melancholisch, rings von schwarz bewaldeten Bergen umgeben, viel Tannen, die den Saum der Berge so schön dunkel erscheinen lassen“, beschreibt Clara Schumann in einem Brief an den Freund Johannes Brahms das Schwarzwaldstädtchen, als sie sich 1859, drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes Robert Schumann, zusammen mit ihrer ältesten Tochter Marie, ihrer blinden Freundin Rosalie Leser und deren Begleiterin Elise Junge in Bad Wildbad zur Kur aufhält.

Clara Schumann ist nicht die Einzige, die den Kurort zu schätzen wusste – auch Gioachino Rossini verlebte hier 1856 als Badegast einen denkwürdigen Aufenthalt. Beiden hat man mit dem jährlichen Clara-Schumann-Konzert-Wochenende und dem Rossini-Festival musikalische Denkmale gesetzt.

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Die Pianistin und Komponistin Clara Schumann im Jahr 1857. Foto: Hanfstängl

Es ist in vielerlei Hinsicht keine einfache Zeit für die Pianistin und Komponistin Clara Schumann, als sie im Juli nach Bad Wildbad kommt. Nicht nur der heftige Rheumatismus in den Armen plagt sie, sie trägt auch ein gutes Stück Lebensangst mit sich herum. In einer von Männern dominierten Welt scheinen ihr existenzieller Drang zur Freiheit und ihre Direktheit geradezu verwegen, ihr Aufbruch zur Selbstbestimmtheit bewunderungswürdig. Dass sie – so ganz nebenbei – auch noch Zigarren raucht, passt so gar nicht ins Bild der sensiblen Künstlerin. Und schließlich muss sie auch für sich und sieben Kinder sorgen – da bleibt wenig Raum für Träume. Clara Schumann, das darf vermutet werden, empfindet ihr Leben nicht als besonders glücklich. „Könnte ich doch nur die zu einer glücklichen Kur so nötige heitere Stimmung erlangen“, klagt sie Brahms aus Bad Wildbad. Und Pauline Schumann gesteht sie: „Es ist unendlich schwer, körperlich und moralisch, so das ganze Jahr herumzureisen, kein Zuhause mehr zu haben, dabei für alle Kinder zu denken“.

Von dem bekannten und beliebten Kurort erhofft sie sich Linderung ihres körperlichen Leidens, aber ganz sicher ist der Aufenthalt hier auch geprägt von dem Versuch, der Falle des Funktionieren-müssens zu entkommen und zur inneren Ruhe zu finden.

„Die Tannenwälder sind immer gleich schön, das Rauschen des Baches, an dem ich sitze, immer gleich frisch – könnte doch der Mensch auch so ewig frisch sein.“

Clara Schumann in einem Brief aus Bad Wildbad

Quartier nimmt das Frauenquartett im inzwischen beim Bau des König-Karls-Bades abgerissenen Haus der Witwe von Badkassier Pfleiderer. In dieser sehr „sonnigen Lage und mit Aussicht ins Grüne“ soll sich die Künstlerin ausruhen – sie nutzt die Zeit auch in Ermangelung anderer Vergnügungen zum Briefeschreiben. „In den sechs Wochen ihres Aufenthalts verfasste sie viele, viele Briefe“, sagt Wolfgang Seibold, der als Forscher und Autor dem Leben Clara Schumanns nachspürt.

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Wie auf dieser Postkarte dürfte Clara Schumann Wildbad erlebt haben. Foto: Bechtle

Die Künstlerin selbst spricht von 30 Briefen in den ersten Tagen, aber „wie viele Schreiben sie insgesamt in Bad Wildbad verfasst hat, kann nicht mehr genau eruiert werden. Bis dato konnten 23 ausfindig gemacht werden“. Deutlich machen diese Briefe – unter anderem an Theodor Kirchner, Emilie List und Pauline Schumann – die Verankerung der in 16-jähriger Ehe mit Robert Schumann verbundenen Clara in der württembergischen Musikszene und die Verbindungen zu einzelnen Personen und Institutionen.

Aber sie erzählen auch von dem Ort ihres Kuraufenthalts. Sie habe noch kein Bad gefunden, in dem es „so ungeniert ist wie hier“, schwärmt sie. „Man kann jeden Tag andere Spaziergänge auf die Berge und in die Tannenwälder machen, findet überall trauliche Plätze zum Ausruhen, und das Beste, man braucht keinen Menschen zu sehen, wenn man nicht will“. Und auch noch das: „Die Quelle ist so schön. In jedem Bade kommt sie mit 27 Grad aus der Erde und wirkt eben durch die außerordentlich gleichbleibende Wärme – besondere minerale Bestandteile hat sie gar nicht, umso wunderbarer erscheint mir ihre Wirkung“. Noch etwas anderes fällt der 39-jährigen Clara Schumann auf, wie sie an Rudolph Bendemann schreibt: „Eben kam Marie aus dem Walde mit schwarzem Munde und einem Korb voll Beeren, und wie große Beeren, bald wie Kirschen. Auch viele Esel gibt es hier, worauf groß und klein reiten“. Viele Zerstreuungen allerdings vermag Clara Schumann im Kurort nicht zu finden – nicht mal ein Kasino gibt es hier – auch wenn sie das Bad herrlich und die Luft erquickend findet: „So lebe ich denn ganz still zu Hause, im Walde und am Clavier“. Musik ist ihr „Labsal für ein trauerndes Herz. Ich wüsste nicht, wie ich noch athmete ohne sie“. Ihre Wildbader Bilanz: „Wald außen, Musik innen“, schickt sie an den Familien-Freund Theodor Kirchner.

Aber Wildbad tut ihr offensichtlich gut, der Schiedsmayersche Flügel, den man ihr zur Verfügung stellt, ist ihr eine große Freude, auch wenn das Spielen durch ihre Krankheit eingeschränkt ist. Und weil sich auch die Kur positiv auswirkt, wird dem schönen Wildbad ein Sehnsuchtswunsch zuteil: „Die Tannenwälder sind immer gleich schön, das Rauschen des Baches, an dem ich sitze, immer gleich frisch – könnte doch der Mensch auch so ewig frisch sein.“

Das Wochenende steht im Zeichen von Clara Schumann

Unter dem Motto „Clara Schumann spielt Beethoven“ steht eine Veranstaltungsreihe heute und morgen in Bad Wildbad. Den Auftakt mit Musik der Romantik gestalten heute um 15.30 Uhr das Marcel-Baluta-Ensemble und die Autorin Lea Ammertal. Sie wird unter anderem aus ihrem Buch: „Eine andere Musik“ – Reminiszenz an die große Pianistin und Komponistin Clara Schumann“ lesen. Musikwissenschaftler Wolfgang Seibold stellt seine Matinee am morgigen Sonntag, 11 Uhr, unter den Titel „Clara Schumann spielt Ludwig van Beethoven“ Pianistin Amy Reiss spielt Werke von Beethoven und Clara Schumann. Das Marcel-Baluta-Ensemble und die Sopranistin Miriam Kurrle gestalten um 15.30 Uhr ein Nachmittagskonzert unter anderem mit Werken von Beethoven, Clara und Robert Schumann. Alle Veranstaltungen finden im Forum König-Karls-Bad statt. Karten sind an der Tageskasse erhältlich.