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Bestes Show-Entertainment: Philipp Haag (links) und Philipp Werner.  Foto: Privat 

Warum die Technik den ersten Zoom-Auftritt des Pforzheimer Theaters zunichtegemacht hat

Pforzheim. Mitten im Titelsong von Jerry Hermans Musical „Mame“ bleibt das Bild stehen und der Ton fällt aus. Das ambitionierte Experiment wird durch die Tücken der Technik gestoppt. Eigentlich großartig, wie in den misslichen Corona-Zeiten Theater das Internet nutzen und versuchen, mit theatralischen Angeboten online zu gehen, über digitale Bildschirme Freude zu schenken und den Kontakt zum Publikum aufrecht zu erhalten. Die Musiksparte des Pforzheimer Stadttheaters hat eine Reihe kleiner Gesprächskonzerte konzipiert, die über die Plattform Zoom als Soireen zu sehen und zu hören sind.

Der erste Liederabend mit dem Ensemble-Tenor Philipp Werner und Philipp Haag am Flügel sollte am Vatertag Hermans Musical-Hits gewidmet sein. Unterhaltsam moderiert, setzt das Konzert im publikumsleeren Theaterfoyer sinnfällig mit „Time Heals Every-thing“ und weiteren Nummern aus den Musicals „Mack And Mabel“ und „Dear World“ fulminant ein. Mit gut gestützten Stimmqualitäten, die Pointen brillant herausarbeitend, singt Werner und untermalt die Szenen gestisch und mimisch verspielt. Mit Verve agiert Haag begleitend an den Klaviertasten. Auch die Interpretation von Hermans „Hello, Dolly“ bietet bestes Show-Entertainment und hätte begeistern können, aber: Verpixelte Bildübertragung und wackelnder Ton zerstören den künstlerischen Impetus und verwandeln das Liedkonzert in eine komödiantische Angelegenheit.

Hektisch bemühte Telefonate zwischen Regie und Technik ermöglichen einen zweiten Anlauf, der aber schon nach wenigen Sekunden im anscheinend überlasteten Netz erneut scheitert. Ein Standbild ist zu sehen, das immerhin ein gestochen scharfes, Optimismus ausstrahlendes Porträt-foto der Musikdramaturgin Christina Zejewski zeigt. Einer der Theaterleute macht einen Witz: „Noch ein Bier dem Mann am Klavier.“ Der Humor war noch nicht verflogen. Zejewski bestätigt am Tag danach: Das Internet im Haus sei zusammengebrochen. „Das war wirklich sehr ärgerlich, weil die Verbindung bei den Proben über Stunden einwandfrei stand.“

Unsere Schaubühnen gleichen letzten, hoffentlich überlebenden analogen Dinosauriern, die den Live-Auftritt, die Publikumsapplaus und das Lob (auch die Buhs) der Kritik wie ein Lebenselixier nötig haben. Doch was soll’s: Den nächsten Zoom-Termin des Pforzheimer Musiktheaters bestreitet bereits an diesem Mittwoch um 19 Uhr Benjamin Werth. Er gibt Einblicke in das Stimmtraining in der Isolation und die Vor- und Nachteile der Digitalisierung für die Sängerzunft. Anmeldung über christina.zejewski@pforzheim.de.