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Dani Gals Video „ White City“ wirft auch einen Blick zurück auf die Entstehungszeit der Siedlung.  Foto: sgg 
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Boris Sieverts Fotografie der Turnhalle der Stuttgarter Falkertschule.  Foto: sgg 
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Axel Folis Weissenhof-Collage unter Verwendung von Fotografien von Sailko.  Foto: sgg 

Weissenhof-Siedlung und das Bauhaus in Stuttgart: Das „Labor der Moderne“

Stuttgart. Betrachtet man das Bauhaus und sein globales Netzwerk, so gehört Stuttgart zu den Städten, die für Bauhäusler mitprägend waren und im Gegenzug von ihnen beeinflusst wurden. Viele von ihnen haben in Stuttgart gelebt, gearbeitet und Spuren hinterlassen. In den 1920er-Jahren erfuhr die Stadt große kulturelle und politische Umbrüche und wurde unter dem maßgeblichen Einfluss des Neuen Bauens und Neuen Sehens zum „Labor der Moderne“. Künstler setzen sich nun in einer Ausstellung in der Stuttgarter Staatsgalerie mit der Moderne und ihren Folgen auseinander.

Vor diesem Hintergrund und zum 100-jährigen Bestehen des Bauhauses hat die Staatsgalerie Stuttgart Dani Gal, Michaela Melián, Martin Schmidl und Boris Sieverts eingeladen, ortsspezifisch konkret und darin exemplarisch Personen, Ideen sowie Wirkungs- und Rezeptionsstränge des Bauhauses und der Moderne in und von Stuttgart aus zu untersuchen. „Wie können wir die Ambitionen des Bauhauses und den Universalismus der Moderne weiterdenken und berechtigte Kritik daran produktiv machen?“, war die Fragestellung der Kuratoren Alice Koegel und Christian Sander.

Ein zentrales Ereignis für dieses Projekt ist die Ausstellung „Die Wohnung“ (1927) mit dem Bau der Weissenhofsiedlung unter der Leitung Mies van der Rohes. Die Veranstaltung war mit dem Bauhaus eng verwoben und gilt als Meilenstein des Neuen Bauens. Ein weiterer Ausgangspunkt für die Ausstellung ist die Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart mit ihrem weltweit bedeutenden Bestand an Werken Oskar Schlemmers sowie Arbeiten und Dokumenten weiterer Bauhaus-Künstler.

Dani Gal zeigt zwei Videoarbeiten, darunter die Neuproduktion „Fields of Neutrality (Das letzte Interview mit Ludwig Mies van der Rohe)“, in dem der Künstler weniger auf eine Neubestimmung eines ohnehin schon erforschten Architektenlebens als auf eine retrospektive Öffnung von Geschichte hin auf unsere Gegenwart und Zukunft zielt. „Das Bauhaus bestand in einer Zeit, die in ihrer Krisenhaftigkeit Parallelen zur heutigen Situation aufweist. Die Kunst steht vor der Herausforderung, den Angriffen auf ihre Autonomie nicht neutral zu begegnen“, so die Intention von Dani Gal.

Michaela Melián produziert für „Weissenhof City“ zwei neue Installationen, in denen sie sich mit den radikalen Konzepten der Moderne und deren Rezeption auseinandersetzt. Unter dem Schlagwort der Rationalisierung wurden im Neuen Bauen die kubische Form und die zweckmäßige Grundrissgestaltung propagiert. Das Resultat war häufig Formalismus und das Weiterschreiben traditioneller Geschlechterrollen in Form der Raumaufteilung. Darauf reagiert Melián mit einer künstlerischen Praxis, in der die Collage von Formen, Inhalten und Medien im Zentrum steht.

Martin Schmidls wesentliches Medium ist die Zeichnung. Seine Arbeit weist Parallelen zu der Schrift-Bild-Praxis von Adolf Hölzel auf, einem wichtigen Wegbereiter der Moderne, der an der Stuttgarter Kunstakademie Lehrer von Oskar Schlemmer und Johannes Itten war. Ausgehend von dem offenem Denken Hölzels, unternimmt Schmidl in einer zentralen Installation eine künstlerische Rückschau von dessen Überlegungen zu Kunst und Lehre im Hinblick auf ihre aktuelle Relevanz.

Boris Sieverts bietet seit mehr als 20 Jahren „Reisen“ an: Touren, die an Orte führen, die als Ziele sonst oft nicht in Betracht kommen. In der eintägigen Reise durch Stuttgart, die Sieverts für „Weissenhof City“ entwickelt, geht es weniger um die Ikonen der Moderne als um jene Orte, an denen die Versprechen, aber auch die Widersprüche und das Scheitern der Moderne noch spürbar sind.

Aus heutiger Perspektive setzen sich Gal, Melián, Schmidl und Sieverts mit Orten und Bauten, Archiven und Dokumenten, Geschichte(n) und Mythen auseinander. Das Spektrum ihrer Beiträge reicht von Videos über Installationen bis zu den Stadtraum-„Reisen“. Weitere Orte ihrer Präsentation sind das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier und die Adolf-Hölzel-Stiftung in Stuttgart-Degerloch.