Remchingen/Hamburg. Er singt mit feinem Humor über die Widrigkeiten des Alltags und profiliert sich seit inzwischen 40 Jahren als kritischer Betrachter seiner Umwelt: Der Liedermacher Stefan Stoppok kommt am 12. März mit Band in die Kulturhalle Remchingen. Die PZ hat sich mit ihm unterhalten.
PZ:Ihr neues Album „Jubel“ ist soeben auf Platz vier in die Charts eingestiegen. Hat Sie das überrascht?
Stefan Stoppok: Ja. Wenn man, so wie wir, keinen großen Apparat hinter sich und keinen Riesen-Werbetat zur Verfügung hat, ist es schon besonders und nicht planbar, so hoch einzusteigen.
Haben Sie nun die Hoffnung, endlich häufiger im öffentlich-rechtlichen Mainstream-Radio gespielt zu werden?
Nein. Dazu gehört leider eine Major-Company, die dem Rundfunk permanent und mit Druck auf den Füßen steht.
Ihr Kollege Heinz-Rudolf Kunze hat neulich das Desinteresse junger deutscher Sänger kritisiert, was politische Themen angeht. Wie sehen Sie das?
Sehe ich nicht so. Es gab schon immer nur ein paar Künstler, die politische Themen einfließen lassen konnten, ohne dass es aufgesetzt gewirkt hat. Ich kenne in jedem Fall einige Junge, die aktuell sehr gut und kreativ politische Inhalte transportieren. Ob es K.I.Z. sind, Cynthia Nikscha oder Simon und Jan – alle völlig unterschiedlich und sehr engagiert.
Sie haben mit Ihrer Vorab-Single ein Statement für Seenotrettung im Mittelmeer abgegeben. Der Shitstorm aus dem rechten Lager ließ nicht lange auf sich warten. Hat Sie das geärgert?
Damit hatte ich gerechnet und das mit einkalkuliert. Dann war aber doch eher Verwunderung darüber, wie einfach die Hater so gestrickt sind und wie vorhersehbar diese Shitstorms sind.
Welche Konsequenzen ziehen Sie als Künstler daraus?
Das bestätigt mich darin, dass es wichtig und richtig ist, solche Songs zu machen. Ich schreibe noch mehr in die Richtung: Wir müssen weiter gegen Hass und Dummheit ansingen.
Sie sind in den 60er/70er-Jahren mit einem anderen Zeitgeist groß geworden. Erschrecken Sie die rechten Tendenzen?
Diese Tendenzen waren eigentlich immer da, nur sind sie jetzt sichtbarer. Verschwörungstheoretiker, Fremdenhasser und andere Ignoranten nerven die Gemeinschaften, seitdem es Menschen gibt.
In einem Interview haben Sie sich neulich als Menschenfreund bezeichnet. Fällt Ihnen das nicht zunehmend schwer?
Ich glaube, dass es mehr gute Menschen auf der Welt gibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass die sich aber nicht in den Vordergrund drängeln und dadurch selten in Führungspositionen und politischen Ämtern zu finden sind. Wenn man aber etwas genauer beobachtet, kann man eigentlich heute mehr denn je großartige Dinge entdecken, die Menschen auf die Beine stellen. In allen Bereichen, trotz der Dumpfbacken,die immer wieder versuchen, diese Initiativen auszubremsen.
Und wie verliert man bei all dem nicht den Humor?
Indem man sich genau auf diese tollen Sachen konzentriert.
Vor 40 Jahren haben Sie ihr erstes Album veröffentlicht. Was sind für Sie persönlich die Dinge, die sich in all den Jahrzehnten im Musikgeschäft am dramatischsten verändert haben?
Durch die Verbreitungsmöglichkeiten und technischen Errungenschaften bei der Produktion ist Musik für viele zu einer Art Soundtapete mutiert und wird nicht mehr so intensiv wahrgenommen wie vor 40 Jahren. Bedauerlicherweise dominiert bei vielen musikalischen Ergüssen die Technik, das nimmt die Spannung für die Hörer. Andererseits kommen immer mehr Leute, die einen höheren Anspruch an die Musik haben, in die Live- Konzerte.
Ohr an der Poesie des Alltags, humorvoller Beobachter, feinsinniger Geschichtenerzähler, ironischer Nonkonformist, mal satirisch, mal melancholisch – wie sehen Sie sich selbst?
Trifft alles irgendwie zu und kann ich unterschreiben. Die Bezeichnung „Sturkopf mit mangelndem Karrierebewusstsein“ würde mir noch fehlen.
Zum Nachdenken anregen oder einfach nur gute Musik machen – was ist Ihr Antrieb?
Gute Musik machen! Eindeutig. Gute Musik regt auch ohne Text zum Nachdenken und vor allem Nachfühlen an.
Der Südwesten ist eine Stoppok-Diaspora, ausverkauft sind die Konzerte anderswo. Sagen Sie jemandem, der Sie noch nie gesehen hat, was ihn in der Kulturhalle Remchingen erwartet.
Ein musikalisches Erlebnis, das sehr intensiv alle Sinne anspricht und nicht wiederholbar ist. Im wahrsten Sinne des Wortes: einmalig. Wenn jemand immer schon mal wissen wollte, ob man bei eingeschaltetem Hirn auch tanzen kann, dann sollte er sich die Antwort bei uns abholen.
Stoppok gastiert mit Band während seiner „Jubeltour 2020“ am Donnerstag, 12. März, um 20 Uhr in der Kulturhalle Remchingen. Dabei präsentiert er aber nicht nur das neue Album. Weitere Infos und Karten im Internet: www.kulturballe-remchingen.de, www.stoppok.com.
Zur Person: Stefan Stoppok ...
... wurde am 21. Februar 1956 in Hamburg geboren, wo er heute wieder lebt. Der Liedermacher und Gitarrist wuchs in Essen auf. Was in den frühen 1980ern mit Straßenmusik begann, führte im Laufe seiner Karriere zu über 20 Alben, zwei DVDs, Film- und Theatermusik. Seine Arbeit wurde immer wieder mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Stoppoks Musik ist eine eigenständige Mischung aus Folk, Rock, Blues und Country. Zu seinen bekanntesten Werken zählt Wikipedia die Songs „Dumpfbacke“, „Tanz (Beweg dein Herz zum Hirn)“, „Cool durch Zufall“ und „Learning By Burning“.

