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Im Gespräch von Rune Denstad Langlo (rechts) mit Pforzheimer Asylbewebern zeigt sich: Er hat die Stimmung in Flüchtlngsheimen recht gut eingefangen. Foto: Recklies
Im Gespräch von Rune Denstad Langlo (rechts) mit Pforzheimer Asylbewebern zeigt sich: Er hat die Stimmung in Flüchtlngsheimen recht gut eingefangen. Foto: Recklies
20.10.2016

„Welcome to Norway“ im KoKi: Schweres Thema – leichter Film

Der norwegische Regisseur Rune Denstad Langlo hatte am Donnerstagabend im Kommunalen Kino (KoKi) Pforzheim die Lacher auf seiner Seite, als er erklärte, wo denn der Film „Welcome to Norway“ gedreht worden sei: „In Schweden!“ Man sah es Langlo an, dass er deswegen ein bisschen peinlich berührt war, in Norwegen sei dieser Umstand auch wenig bekannt. Anderthalb Jahre hatte der Filmemacher vergeblich nach einem geeigneten Drehort gesucht, bevor sein Vater ihm den Hinweis gab, dass einer seiner Freunde ein Hotel in Schweden habe. Es stünde leer und sei womöglich für das Filmprojekt geeignet . . .

Bereits vor zehn Jahren hatte Rune Danstag Langlo die Idee zu dem Film, zu dem er vor drei Jahren das Drehbuch zu schreiben begann und der nun in diesem Jahr in die Kinos kam. Dass ihn die Realität eingeholt habe, davon sei er selbst überrascht worden, sagt der Regisseur. Bevor ihn der Weg am Donnerstag in die Goldstadt führte, war er in Karlsruhe bei der Erstaufführung und Christine Müh freute sich, dass in ihrem Haus letztlich mehr Besucher bei der Pforzheim-Premiere waren, als in der Fächerstadt. „Man hat ja auch einen Ruf in der Szene zu verteidigen“, so Müh, die dem norwegischen Filmemacher auch deutlich machte, dass es nicht nur der aktuelle Film ins Koki-Programm geschafft hatte, sondern auch die früheren Filme alle in Pforzheim gezeigt wurden und gut ankamen. Und sie hoffe freilich auch, dass der nächste Film, an dem Langlo derzeit arbeitet – „Ich schreibe auf der Tour“ – in absehbarer Zeit in Pforzheim zu sehen sein wird. Dann möglichst wieder im Beisein des Regisseurs.

Der habe, wie er ausführte, zu keiner Zeit einen politischen Film machen wollen, sondern eine Komödie. Dass sich die Flüchtlingssituation in Europa so zugespitzt habe, während er an dem Film arbeitete, das sei nicht vorauszusehen gewesen. Dass er als Darsteller der Flüchtlinge, die in einem norwegischen Hotel eine Heimat auf Zeit finden, Menschen aus zahlreichen Ländern gewinnen konnte, die alle selbst Flüchtlingserfahrung gemacht hatten, überraschte die Besucher im fast ausverkauften Saal des KoKi. Angesichts der persönlichen Geschichten der Darsteller gewann der Film noch an Gewicht.

Auch eine Reihe von in Pforzheim lebenden Flüchtlingen fand sich unter den Zuschauern. Und gerade diese fanden den Film sehr gelungen, weil er mit gutem Humor, aber auch der nötigen Tiefe genau die Situation darstelle, wie sie in Flüchtlingsheimen zu erleben sei. Und die mitunter natürlich auch zum Lachen reizten. „Es geht um die Menschen und deren Geschichten.“ Und das Publikum der Pforzheimer Erstaufführung ist sicher: Rune Denstad Langlo ist dies hervorragend gelungen.