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Reinhold Joppich (links) liest Texte aus „Amore, Amore“, Mario Di Leo spielt dazu italienische Lieder. Foto: Molnar
Reinhold Joppich (links) liest Texte aus „Amore, Amore“, Mario Di Leo spielt dazu italienische Lieder. Foto: Molnar
17.05.2017

Wenn Liebe blind macht: Lesung mit Reinhold Joppich und Mario di Leo

Pforzheim. Ach, die Frauen, die können einen Mann ganz schön verwirren – und um den Finger wickeln. Ein Lächeln, ein koketter Augenaufschlag, und schon ist es um ihn geschehen. Genau so geht es dem armen Erminio, der sich Hals über Kopf in die schöne Zeitungsverkäuferin Fiammetta verliebt. Dass sie bald heiratet, nimmt er gar nicht wahr. Blind vor Liebe glaubt er, dass sie mit ihrem Verlobten Schluss machen wird. „Hast du gesehen, wie sie mich angesehen hat?“, liest Reinhold Joppich aus der Erzählung „Ach, die Frauen“ von Alberto Maravio.

Pforzheim. Ach, die Frauen, die können einen Mann ganz schön verwirren – und um den Finger wickeln. Ein Lächeln, ein koketter Augenaufschlag, und schon ist es um ihn geschehen. Genau so geht es dem armen Erminio, der sich Hals über Kopf in die schöne Zeitungsverkäuferin Fiammetta verliebt. Dass sie bald heiratet, nimmt er gar nicht wahr. Blind vor Liebe glaubt er, dass sie mit ihrem Verlobten Schluss machen wird. „Hast du gesehen, wie sie mich angesehen hat?“, liest Reinhold Joppich aus der Erzählung „Ach, die Frauen“ von Alberto Maravio.

Der ehemalige Vertriebsleiter des Verlags Kiepenheuer & Witsch – 30 Jahre war er dort tätig – hat die schönsten italienischen Liebesgeschichten zusammengestellt und sie mit dem römischen Musiker Mario Di Leo in der Anthologie „Amore, Amore“ herausgegeben. Wo könnte es nun schöner sein, diesen heiteren, absurden und träumerischen Geschichten und Liedern zu lauschen als im Café d’Anvers in der Dillsteiner Straße? Die Buchhandlung Uwe Mumm findet immer wieder besondere Lese-Orte, empfängt in Kooperation mit Anneke Nestele und ihrem Team die Gäste mit italienischen Köstlichkeiten. Und wäre es nicht schon so warm im Raum, so hätte Mario Di Leo die Herzen sofort mit dem romantischen „Canzone dell’amore perduto“ von Fabrizio D’Andre erwärmt. Sehnsuchtsvoll singt er von unerfüllter Liebe, spielt Gitarre und begeistert sowohl mit dem spritzigen „It’s Wonderful“ von Paolo Conte als auch mit dem legendären „Bella Ciao“. An passender Stelle: Das Lied wird auch in der Geschichte „Die Beerdigung meines Vaters“ von Dario Fo geschmettert, die Joppich vorträgt.

Mit Witz, tiefer Stimme und fuchtelndem Zeigefinger liest der Kölner mit dem Schnauzbart auch das Liebesmärchen „Die drei Alten“ von Italo Calvino, bei dem ein Jüngling erneut an der Nase herumgeführt wird – von einer scheinbar jungen Vierundneunzigerin. Ein wilder Siebziger-Jahre-Ton herrscht dagegen in Rossana Campos „Noch ein Schuft“. Für den Abschluss hat sich Joppich eine besondere Geschichte aufgehoben: Fast in Rage redet er sich bei „Das Dampfross“ von Ermanno Cavazzoni, mit dem niemand anderes als die dampfablassende Ehefrau eines kleinen erschöpften Mannes gemeint ist.