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Oratorienchor, Bachorchester und Solisten waren beim von Kord Michaelis dirigierten Konzert auf der Empore der Stadtkirche platziert.  Bechtle
Oratorienchor, Bachorchester und Solisten waren beim von Kord Michaelis dirigierten Konzert auf der Empore der Stadtkirche platziert. Bechtle
23.11.2015

Werke von Brahms, Schubert und Bruckner in der Stadtkirche aufgeführt

Pforzheim. Dieses Konzert zum Totensonntag ist anders als sonst, besticht bereits durch sein Programm. Drei Meister des 19. Jahrhunderts stehen darauf – Johannes Brahms, Franz Schubert und Anton Bruckner.

Und weil Schuberts komplexe As-Dur-Messe neben einer großen Besetzung auch eine Orgel verlangt, ist die Aufstellung des Oratorienchors, des erweiterten Bachorchesters und der Solisten wohl auf die Empore verlegt worden – direkt vor die große Steinmeyer-Orgel. Ein wenig leer sieht die evangelische Stadtkirche daher bei der ersten Aufführung auf den ersten Blick aus.

Tänzerische Gesten

Die meisten Zuschauer sitzen in den Stuhlreihen mit Blick auf die Orgelempore, wo Dirigent Kord Michaelis seine tänzerischen Gesten regelrecht in den Himmel zu zeichnen scheint. Diese Perspektive ist ungewohnt, rückt Sänger und Musiker weit weg, eröffnet aber ein ungemein homogenes Klangbild der musikalischen Kontraste. Denn beides – zarter Gesang und schlagkräftige Tutti – bleibt besonders nach dem abschließenden „Te Deum“ von Bruckner nachhaltig in Erinnerung. Mittelpunkt des Abends ist freilich die Messe As-Dur, an der Schubert drei Jahre lang arbeitete, sie 1822 vollendete und 1926 nochmals änderte. Diese endgültige Version bildet auch die Grundlage für die Pforzheimer Aufführung, die mit einem romantisch andächtigen „Kyrie“ beginnt. Zu den einleitenden Holzbläsern gesellen sich die Streicher und bald der Chor, der beim bombastischen „Gloria“ dann vollends in Erscheinung tritt. Dieser Lobgesang mit verherrlichender Schlussfuge umrahmt einen zarten Mittelteil, den vor allem das Solistenquartett bestimmt.

Ganz vorne an der Balustrade platziert, agieren Katrin Müller (Sopran), Anne Greiling (Alt), Emilio Ruggerio (Tenor) und Hans Christian Hinz (Bass) oft zusammen. Die glockenhelle Stimme der Sopranistin leuchtet meist besonders schön hervor, etwa beim „Gratias agimus“, aber auch beim melodiösen „Agnus dei“ am Schluss. Die kurzfristig eingesprungene Altistin entfaltet erst beim „Bendictus“ – im zarten Duett mit der Sopranistin – ihre warme Stimme, während das ekstatische „Osanna“ wieder dem Chor vorbehalten ist. Nicht immer ist der lateinische Messetext verständlich, lenkt umso mehr den Fokus auf die sinfonische, romantisch-sakrale Musik, in die sich die Orgel (Sebastian Weiss) wie von selbst einfügt.

Eröffnet wird das Konzert von Brahms’ „Begräbnisgesang“ von 1858, der auf den alten deutschen Text „Nun lasst uns den Leib begraben“ basiert. Dunkel und langsam beginnt und endet dieses kurze Werk, bei dem der Chor betont silbenweise voranschreitet. Unter Paukeneinsatz nimmt die Intensität zu, wirkungsvoll wechseln Männer- und Frauenstimmen ab – bis die Bläser die Trauerzugmusik mit warm auslaufendem Ton beenden.

Bruckners „Te Deum“ dagegen wirkt auftrumpfender, massiger, kommt mal hauchzart, dann wieder mit plötzlichen Ausbrüchen daher. Diese Stellen wirken manchmal etwas lärmend, so etwa beim Einsatz des Chores mit dem dreimaligen „Sanctus“. Mehr Partien haben nun auch der Tenor, dem etwa ein lyrisch-feines „Te ergo“ zur umgarnenden Solo-Violine gelingt, sowie der Bass, der im Schlussteil seine Kraft demütig unter Beweis stellt.