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Der Mann, der alle zum Lachen bringt: Willi Astor. Foto: Frommer
Der Mann, der alle zum Lachen bringt: Willi Astor. Foto: Frommer
03.08.2015

Willy Astors amüsante Spielchen

Pforzheim. Humorvolle Hilfe bei der kollektiven Wiederentdeckung des „Inneren Kinds“: Willy Astor wandelt bei seinem gefeierten Osterfeld-Auftritt auf den Spuren von US-Autor John Bradshaw – und bringt mehr als 920 (meist) erwachsene Zuschauer zum vergnügten Mitträllern der von ihm abgewandelten Rumba „Guantanamera“: „Kaulquappenflossen“ und ähnlich abstruse Astor-Wortkreationen intoniert der muntere Münchner und das längst aufgekratzte Pforzheimer Publikum singt völlig selbst- und zeitvergessen mit.

„Für mich ist das der Ritterschlag schlechthin“, freut sich der Komödiant auf der Bühne und beglückwünscht die grinsenden Festivalbesucher zur „Kontaktaufnahme“ mit der unbändigen Freude aus ihrer, im Alltag weit verdrängten kindlichen Erlebniswelt. Der 54-jährige Musik-Kabarettist und Komponist ist im besten Sinne des Wortes „Kind“ geblieben – zumindest auf der Bühne. Bei seiner One-Man-Show im Osterfeld drängt sich die Vermutung auf, dass der gebürtige Münchner kein ganz einfaches Schulkind war. Auf seiner Website verrät er: „Eigentlich war ich schon in der Schule als Kind der Entertainer, ich hab damals ohne Rücksicht auf Verluste und Ansehen meine Späße rausgehaun. Ich fühlte mich jung und brauchte kein Geld.“

„Ba-Nahles“ präsentiert

Inzwischen steht er fast 30 Jahre auf der Bühne, lebt – auch wenn es abgedroschen klingen mag – seinen Traum und verdient mit seinen Wortkreationen offensichtlich auch hinreichend Manövriermasse. Und so mixt er fröhlich aus „Afrika“ und „See“ einen munteren Reggae, dessen Refrain immer deutlicher zu „a Frikassee“ mutiert. Promi- und Politikernamen jubelt er à la „Ba-Nahles“ auch schon mal was unter. Und im Brustton der Überzeugung gibt Willy Astor kund, manchmal schaue er „mit der Cameron auch Dias“. Während die Melanie sofort gewusst habe, wo der „Griff iss“, habe ihn der George eher genervt, der putze das „Klo nie“. Und da er grad beim wortakrobatischen Kalauern ist, leiht er sich rasch etwas „Kies“ von Richard, weil „ich mir sonst was von Andy borg“ – für die Osterfeld-Zuschauer hat er noch einen anderen Finanz-Tipp: „Geh’ halt mal zur Ursula, vielleicht kannst du dir von der leihen“.

Konstantin-Wecker-Persiflage

Gleich mit zwei Überraschungen wartet Willy Astor in seiner furiosen Zugabe auf: Als Hommage an Konstantin Wecker gibt er eine hinreißende Abwandlung von dessen Moritat „Gestern homs an Willi daschlogn“ zum Besten: „Gestern hab ich den Wecker erschlagen“, heißt seine grandiose Replik am E-Piano. Und mit der instrumentalen Eigenkomposition „Nautilus“ stellt er nicht nur sein Können an der Gitarre erneut unter Beweis, sondern kreiert außerdem einen angenehm melodischen Ausklang des vom Publikum heftig umjubelten Festival-Abends.