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Mateo Jasik bei einer FIlmpremiere. Foto: dpa-archiv
Mateo Jasik bei einer FIlmpremiere. Foto: dpa-archiv
08.05.2018

„Wir sind das perfekte Beispiel für Integration“ – Culcha Candela im Interview

Pforzheim. Mit mehr als 900 Live-Shows zählt Culcha Candela aus Berlin zu den aktivsten Bands im Land. Und die Fan-Basis wächst weiter. Ihr siebtes Studioalbum „Feel Erfolg“ hat die Reggae-, Dancehall- und Hip-Hop-Band auf ihrer aktuellen Tournee im Gepäck – auch heute Abend um 19.30 Uhr in der Kulturhalle Remchingen. Wir haben uns mit dem „Culcha Candela“-Kopf Mateo unterhalten.

PZ: Das neue Album mischt wieder Karibik und Dancehall, steckt aber auch voll neuer Sounds. Ist Veränderung eine Konstante von Culcha Candela?

Mateo Jasik: Es gibt einen Glückskeks-Kalenderspruch, der das gut beschreibt: Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Anscheinend lief das bei uns ganz ok, denn wir sind schon 16 Jahre am Start. Und ja: Veränderung ist so ziemlich die einzige Konstante bei uns. Wir haben schon immer Sachen gemischt, waren nie Dogmatiker oder Konzeptalbum-Musiker.

PZ: Immer wieder äußern Sie sich politisch, vor allem auf Facebook. Welches sind die Themen, bei denen Ihnen der Hut hochgeht?

Jasik: Das sind Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Sexismus, Islamophobie, AfD, Brexit, Trump, Erdogan, Putin, CSU und, und, und. Diese gesellschaftlichen „Krankheiten“ haben eigentlich alle den gleichen Ursprung: Angst vor Veränderung, das Gefühl abgehängt worden zu sein und die Unfähigkeit, oder der Unwille, sich mit den eigenen Fehlern auseinandersetzen zu wollen. Da ist es immer leichter, sich Sündenböcke zu suchen.

PZ: Warum finden Sie es als Künstler so wichtig, klare Kante zu zeigen?

Jasik: Wir Musiker sind unserer Meinung nach dazu verpflichtet, uns zu äußern und eine gesellschaftliche Diskussion anzustoßen. Da hilft es nicht, die Fresse zu halten und den Echo abzuschaffen. Die Probleme bleiben nämlich auch ohne diese lahme „Undertainment“-Show. Wir finden es gut, wenn die Community untereinander diskutiert. Wir blocken nur ab und zu Leute, die extrem beleidigend werden.

PZ: Haben Sie schon selbst leidvolle Erfahrungen mit Fremdenhass und Rassismus erfahren?

Jasik: Wir zum Glück selber noch nicht, denn wir haben das Glück, in Berlin zu leben.

PZ: Aber nach Ihrer Beobachtung: Was entwickelt sich da gerade in unserem Land?

Jasik: Das, was sich da gerade entwickelt, ist ein letzter Aufschrei der extrem Konservativen und ewig Unzufriedenen. Die Ressentiments waren schon immer da, nur jetzt treten sie dank Trump, AfD und Co. offen zum Vorschein, weil sich die Leute denken, sie können ihrem Hass freien Lauf lassen, wenn es die Politiker tun.

PZ: Fällt es Ihnen vor diesem Hintergrund noch leicht, auf der Bühne eine „Hamma“-Party zu machen?

Jasik: Immer, denn nur positiv bleiben hilft! Wir sind ja als Band ein laufendes Statement und ein perfektes Beispiel für funktionierende und selbstfinanzierte Integration.

PZ: Ihre Live-Shows sind legendär. Was erwartet das Publikum in Remchingen?

Jasik: 1000 Prozent Energie, Hits aus 16 Jahren und die Besetzung ist seit 2012 gleich: Chino, Johnny, Don Cali und ich. Wir haben auch wunderbare Ladies mit auf der Bühne (lacht).