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ZKM-Chef Peter Weibel. Foto: dpa
ZKM-Chef Peter Weibel. Foto: dpa
Nachtaufnahme des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. In diesem Jahr feiert das ZKM sein 25-jähriges Bestehen in der ehemaligen Munitionsfabrik. Foto: Deck
Nachtaufnahme des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. In diesem Jahr feiert das ZKM sein 25-jähriges Bestehen in der ehemaligen Munitionsfabrik. Foto: Deck
04.01.2016

Wo Kinder die Eltern ins Museum locken. ZKM bereitet Bekanntes überraschend auf

Ein Museum darf nach Überzeugung des ZKM-Direktors Prof. Peter Weibel nicht zum bloßen Archiv der Geschichte werden. Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie verstehe sich im Gegenteil als ein Ort, an dem auch Zukunft gestaltet wird. „Das Museum ist der Agent der Zukunft, wir arbeiten mit Künstlern zusammen, die Lösungsvorschläge machen“, sagt Weibel. Oft seien es Eltern, die ihre Kinder ins Museum lotsten. „Im ZKM ist es eher andersherum, weil wir an die bekannte Welt der jungen Leute anschließen.“

Die Themen seien auf die Zukunft gerichtet, es gehe etwa um Big Data oder um technische Lösungen zum Schutz der Umwelt. Aber auch beim Blick in die Geschichte will Weibel nicht dem Mainstream folgen. Das wird zum Beispiel an der Ausstellung von eintausend Jahre alten Automaten aus der islamischen Welt deutlich. „Über den Islam wird immer das Gleiche geredet“, kritisiert Weibel. Das ZKM zeigt dagegen die Blüte der islamischen Welt zwischen dem neunten und zwölften Jahrhundert. „Wir Europäer steckten damals hingegen noch im finsteren Mittelalter.“ Das Schrifttum der Griechen sei ins Arabische übersetzt worden. Das habe den Zugriff auf das Wissen der Antike bewahrt. „Ich bürste Meinungen gegen den Strich und zeige einen Aspekt der arabischen Kultur, der dort selbst schon in Vergessenheit geraten ist.“ Das sei schwierig, aber: „Das reizt mich, wir zeigen dem Publikum etwas, das es nicht kennt.“

Nicht den Mainstream bedienen

Wenn er beispielsweise eine Ausstellung über den Impressionismus mache, dann im Zusammenhang mit Industrie, sagte Weibel. Denn die Landschaften, die gemalt wurden, habe es während der Industrialisierung so vielerorts schon nicht mehr gegeben. Paul Cézanne habe beklagt: „Alles verschwindet.“ Claude Monet habe sich in Giverny seinen eigenen Garten zum Malen gebaut. „Den Mainstream zu bestätigen, bringt nichts. Die Bestätigung des bereits Bekannten ist keine Wissensproduktion.“ Die Leute sollten sich während eines Museumsbesuchs hingegen fragen: „Warum habe ich das vorher nicht gewusst?“

Damit komme sein Haus auf immerhin 220 000 bis 240 000 Besucher im Jahr.