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Zwei Besucherinnen betrachten das Gemälde „La Toilette“ von 1906 im Museum Fondation Beyeler. Straub
Unverkennbare Ähnlichkeit: Claude Picasso steht vor dem Selbstbildnis seines Vaters aus dem Jahr 1901.
01.02.2019

„Wo gibt es so etwas sonst zu sehen?“ Picassos Zeit der Zärtlichkeit

Riehen. Die Augen werden immer größer, das Staunen intensiver: „Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode“ bei der Fondation Beyeler in Riehen, hält absolut, was so vollmundig angekündigt wurde: das aufwendigste und ambitionierteste Ausstellungsprojekt in der Geschichte des Hauses.

„Wo gibt es so etwas sonst zu sehen?“, stellt Museumsleiter Sam Keller die rhetorische Frage. Um sie dann doch irgendwie selbst zu beantworten: „Es ist mit Sicherheit das letzte Mal für lange Zeit, dass diese Werke jemals wieder in Europa vereint sein werden.“

Emotionale Bilder

75 Bilder und Skulpturen dieser so intensiven Periode zwischen 1901 und 1906 sind vereint – frühe Meisterwerke auf Picassos Weg zum größten Künstler aller Zeiten. Intensive Jahre voller Kraft und Schmerz, voller Leidenschaft und Enttäuschung. „Picassos Zeit der Zärtlichkeit“, nennt sie Keller. „Emotionale Werke, aber niemals sentimentale“, fügt Kurator Raphael Bouvier an.

Bildergalerie: Picasso-Ausstellung in der Fondation Beyeler

Direkten Augenkontakt nimmt der junge Künstler gleich zu Beginn mit dem Ausstellungsbesucher auf: „Yo Picasso“ (Ich Picasso, 1901) blickt kraftstrotzend und in starken Farben in die Zukunft. Ein junger Mann, pendelnd zwischen der vertrauten Welt des heimischen Madrids und des aufregenden Paris’ – bereit zur Eroberung. Heiter sind die Bilder dieser Zeit, erinnern an van Gogh und Toulouse-Lautrec. Doch dann der Schicksalsschlag: Am 17. Februar erschießt sich sein Freund Casagemas – und Picasso fühlt sich schuldig. Die Farbigkeit in seinen Bildern weicht dem Blau – subtil und in vielen Nuancen. Gemälde wie das berühmte Selbstporträt von 1901, die man aus zahlreichen Reproduktionen kennt, und die im Original doch so anders, so viel intensiver wirken. Hautnah ist hier die sensible Seite des Künstlers zu erleben. Man spürt seine innere Notwendigkeit, genau so zu malen, sich den Außenseitern der Gesellschaft zuzuwenden. Und da jagen Gemälde wie „Celestina“ von 1903 dem Betrachter Schauer über den Rücken angesichts der alten Kupplerin mit ihrem blinden Auge und dem doch so intensiven Blick.

Doch die Liebe kehrt zurück in Picassos Leben – mit „Madeleine“, die er 1904 im zarten Hemdchen porträtiert, und Fernande Olivier, seine erste lange Beziehung. Seine Palette hellt sich zur Rosa Periode auf: Hoffnungen und Sehnsüchte der Zirkusmenschen werden zum Bildthema, wie beim wunderbaren „Kopf eines Harlekins“ von 1905.

Die nächste künstlerische Revolution lässt nicht lang auf sich warten: Auf der Suche nach künstlerischer Authentizität verbringt Picasso den Sommer 1906 im spanischen Pyrenäendorf Gósol: „Robuste, geometrisierte Körper, maskenhafte Gesichter“, zeichnet Bouvier die archaischen Tendenzen in der Kunst Picassos nach. Intensive Monate, in denen auch zahlreiche Skulpturen entstehen. „Er wollte zurück zum Essenziellen“, sagt sein Sohn Claude. Und: „Wenn mein Vater sich in die Ecke gemalt hatte, dann machte er durch seine Skulpturen einen Schritt heraus.“ Deshalb sei es auch so spannend, in der Ausstellung die bildhauerischen Werke neben den Gemälden zu erleben, die Querverweise und Bezüge zu entdecken. Und den Schritt zum Beginn des Kubismus nachzuvollziehen, wenn der 25-Jährige mit „Femme – Époque des Demoiselles d’Avignon“ virtuos mit der Dekonstruktion des Körpers und der Ästhetik des Unvollendeten spielt. Eine Ausstellung, die „nicht nur für das Publikum eine Sensation ist, sondern auch die Experten überrascht“, so sagt Keller und die mit einem höchst spannenden multimedialen Vermittlungsraum sowie in der Schau „Picasso Panorama“ anhand von 40 zentralen Werken seine Kunst bis zu seinem Tod 1972 lebendig werden lässt.

Die Kunstfahrt mit Claudia Baumbusch zur Fondation Beyeler in Riehen am 16. Februar ist bereits ausgebucht. Deshalb findet eine zweite Fahrt zur Picasso-Schau am Samstag, 6. April, statt. Anmeldung und Infos beim Pforzheimer Reisebüro, Telefon (0 72 31) 3 02-2 12.