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Bild aus „alten Zeiten“: Sybille Schüssler, Daniel Wensauer-Sieber, Angelika Drescher, Gerhard Baral und Claudia Baumbusch (von links) stellen im Juli 2018 gemeinsam das „Sponsoren- und Partnerkonzept der Kulturstadt Pforzheim“ vor. Foto: Meyer

Wohin und wie entwickelt sich die Kultur in Pforzheim in Zukunft?

Pforzheim. Von 100 auf Null: Beim Neujahrsempfang der Stadt Pforzheim ist Oberbürgermeister Peter Boch die Kultur keine Zeile wert. Statt Kulturhauptstadtbewerbung und Ornamenta weiterhin nur Streichkonzerte? Die PZ wollte vom Stadtoberhaupt wissen, wohin die Reise geht. Die Antworten gibt allerdings Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler – „aus Zuständigkeitsgründen“, sagt der Sprecher der Stadt Philip Mukherjee.

Welche kulturellen Großprojekte sind – statt Kulturhauptstadtbewerbung und Ornamenta – für den nächsten fünf bis zehn Jahre geplant?

Dieser Satz könnte seit der ersten Ornamenta im Jahr 1989 fast jährlich gefallen sein: „Im Rahmen eines integrierten Kommunikationsprozesses werden wir als Verwaltung gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren aus Stadt, Politik, Kultur, Hochschule, Wirtschaft, dem Ornamenta-Verein und weiteren Vertretern der Stadtgesellschaft das vorliegende Konzept weiter entwickeln, schärfen und die finanziellen Rahmendaten klären“, betont Schüssler. Die derzeitigen Planungen sähen vor, dass dem neuen Gemeinderat im Spätjahr alle wichtigen Eckpunkte zur Diskussion und Entscheidung vorgelegt würden. Nur: Die Stabstelle Ornamenta, die eigentlich mit Goldstadt-Gesamtkoordinator Gerhard Baral bis 2022 besetzt war, ist aufgelöst.

Darüber hinaus, so Schüssler, sei das Kulturamt bereits mitten in den Planungen für die „Schlosspark-Open“ im Juni 2019 als Angebot zur Förderung der Jugendkultur. „2020 werden wir den 75. Gedenktag der Zerstörung Pforzheims am 23. Februar begehen. Außerdem sind 2020 die Museumsnacht und im Sommer das WerkStadt-Festival in Planung. 2021 steht im Zeichen des Jubiläums des Reuchlinhauses, und der Pforzheimer Kulturnacht, und 2022 feiern wir das Reuchlinjahr anlässlich des 500. Todestag des Reformators mit der Verleihung des Reuchlinpreises“, sind ihre Pläne, für die allerdings nur dürftige Finanzmittel im Haushalt zur Verfügung stehen.

Wie werden Alexander Weber und Monika Heinzmann künftig eingesetzt?

Mit dem Verwaltungsfachwirt Alexander Weber, der als Kulturamtsleiter vom Enzkreis kam, und Monika Heinzmann, langjährige Mitarbeiterin im Kulturhaus Osterfeld, standen Gerhard Baral hochqualifizierte Mitarbeiter im Jubiläumsjahr „250 Jahre Goldstadt“ zur Verfügung. Weber war als Stellvertreter unter anderem für die Finanzabwicklung zuständig, Heinzmann – dreisprachig und ein Organisationstalent – für die Koordinierung und auch inhaltliche Abstimmung der Aktivitäten. Alexander Weber werde künftig, so Schüssler, im Kulturamt in der Veranstaltungsorganisation, der strategischen Kulturentwicklung, im Marketing, der Vernetzung mit der Kulturregion Nordschwarzwald und bei Kooperationsprojekten mit der Hochschule eingesetzt, Heinzmann in „Assistenz und Aufgaben im Sekretariatsbereich“.

Was ist eigentlich aus dem Kultur-Sponsoring-Konzept des Kulturamts geworden?

Im vergangenen Jahr hat die Stadt nach den Erfahrungen aus dem Jubiläumsjahr ein umfangreiches, sehr detailliertes Sponsoren- und Partnerkonzept erstellt und vielfach publiziert. Gleichzeitig aber den Überfluss von Sponsorengeldern aus 2017 kurzerhand zur Deckung des städtischen Haushalts genutzt. Doch das scheint der Bereitwilligkeit keinen Abbruch getan zu haben: „Die Bereitschaft bei den Pforzheimer Unternehmen, den Standortfaktor Kultur im Rahmen von Sponsoringaktivitäten ideell und finanziell zu stärken, ist nach wie vor groß“, sagt die Kulturbürgermeisterin. Das bestärke das Kulturdezernat, den eingeschlagenen Weg eines strategischen Fundraisingkonzepts weiterzugehen, „verbunden mit der Etablierung eines für Pforzheim authentischen, langfristig tragfähigen und zukunftsfähigen Formats wie einer Ornamenta II, die ein Alleinstellungsmerkmal schafft und das kreative und innovative Potenzial der Stadt herausstellt.“ Außerdem sei ein Gespräch von Oberbürgermeister Peter Boch und ihr mit potenziellen Sponsoren terminiert worden, in dem das weitere Vorgehen in Sachen Sponsoring beraten werden solle.

Gab es Sponsorenzusagen und wurden Gelder abgerufen?

„Sponsorenzusagen in einer Gesamthöhe von derzeit 100.000 Euro stehen derzeit im Raum“, sagt Schüssler.