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Wiglaf Droste
Wiglaf Droste
17.05.2019

„Wortgewaltiger Schelm“: Trauer um Wiglaf Droste

Pottenstein. Nichts und niemand war vor ihm und seinem Sprachwitz sicher. Bitter und böse konnte es klingen, manchmal mit einem Schuss Häme, wenn sich der Satiriker Wiglaf Droste etwas oder jemanden vornahm.

Am Mittwoch ist der Autor und Satiriker nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren im oberfränkischen Pottenstein gestorben. Seit den 1990er-Jahren schrieb Droste regelmäßig für die in Berlin erscheinende Tageszeitung „ Junge Welt“, seit Januar 2011 hatte er dort eine tägliche Kolumne. Zuvor war er unter anderem für die „taz“ und das Satiremagazin „Titanic“ tätig. „Er war ein wortgewaltiger Schelm“, beschrieb ihn der Feuilleton-Chef der „Jungen Welt“, Alexander Reich.

Berlin als wichtiges Domizil

Der gebürtige Westfale Droste ging in den 1980er-Jahren nach Berlin, journalistisch in Erscheinung trat er dort dann vor allem bei der damals noch jungen „tageszeitung“ (taz). Die Hauptstadt blieb auch lange Zeit sein Zuhause, bevor er vor nicht allzu langer Zeit – der Liebe wegen – nach Oberfranken zog.

An Berlin, der Stadt, in der er die entscheidende Zeit seines Lebens verbrachte, rieb er sich auch, nicht zuletzt wegen des Sozialcharakters, der ihm aufstieß. Über den Stadtteil Kreuzberg, wo er lange lebte, sprach er von „Arschgeigentum, das nichts mit Freiheit, aber viel mit Rücksichtslosigkeit zu tun hat“. Nicht nur wortgewaltig, sondern auch vielseitig war Droste, dabei zeichnete ihn eine gewisse Unstetigkeit aus. Neben der Produktion für Zeitungen und Zeitschriften arbeitete er auch als Buchautor und für den Rundfunk. Für den WDR und für den Deutschlandfunk lieferte er ebenfalls Beiträge. Nicht genug damit: Auch die Musik blieb nicht verschont. So ließ er sich ab und zu von der Punk-Rock-Band Geile Götter begleiten, ab dem Jahr 2000 trat Droste mit Chansons als Sänger in Erscheinung.

Kaum eine Facette sprachlichen Ausdrucks war ihm unvertraut, zahllos die Themen und Gegenstände, die er ironisch-satirisch bearbeitete. Da war es kein Wunder, dass der Genussmensch Droste früher oder später sich auch dem Thema Essen und Trinken zuwandte. Zusammen mit dem Koch Vincent Klink gab Droste die Zeitschrift „Häuptling Eigener Herd“ heraus. Berühmt-berüchtigt war seine Fähigkeit, verbal auszuteilen. Dass er damit zuweilen aneckte, ist eher untertrieben. Seine Engagements im Medienbetrieb begleiteten daher auch konsequent zahllose Brüche und Zerwürfnisse.