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Caro Weiss von der Hochschule (rechts) und Studentin Berenice Noel diskutieren eine neue Gestaltungsidee.
Caro Weiss von der Hochschule (rechts) und Studentin Berenice Noel diskutieren eine neue Gestaltungsidee.
So könnte der Modeschmuck von morgen aussehen: Professorin Christine Lüdeke (von links), EMMA-Leiterin Almut Benkert und Eberhard Hagmann (hinten rechts) betrachten die Entwürfe von Claudia Frisch, Marlen Albrecht, Aaron Fischer und Florian Wicki. Ketterl
So könnte der Modeschmuck von morgen aussehen: Professorin Christine Lüdeke (von links), EMMA-Leiterin Almut Benkert und Eberhard Hagmann (hinten rechts) betrachten die Entwürfe von Claudia Frisch, Marlen Albrecht, Aaron Fischer und Florian Wicki. Ketterl
10.11.2016

Young European Talents Workshop beschäftigt sich mit Modeschmuck

Das ist längst schon überfällig: junge Studenten, die sich mit dem Thema Modeschmuck befassen – und zwar nicht nur rein theoretisch, sondern ganz praktisch in Zusammenarbeit mit einer Pforzheimer Firma, „die mehr als nur eine Absichtserklärung abgibt, die entworfenen Arbeiten auch tatsächlich umzusetzen“, sagt Eberhard Hagmann von TeNo.

Doch wie so oft, bedarf es eines konkreten Anlasses, um wünschenswerte Ziele Realität werden zu lassen: Im Rahmen des Young European Talents Workshops sind seit Montag 20 Studenten damit beschäftigt, sich Gedanken über zeitgemäßen – und verkaufbaren – Modeschmuck zu machen und gleichzeitig die technischen Möglichkeiten miteinzubeziehen.

Bereits zum achten Mal gibt es dieses Zusammenwirken von jungen Designern aus Pforzheim und Studienkollegen aus London und Genf. In diesem Jahr – in Vorausschau auf das Goldstadt-Jubiläumsjahr – um, so EMMA-Leiterin Almut Benkert, aktuelle Design-Themen auf Pforzheim zu übertragen.

Der Ansatz ist denkbar einfach: „Guter Schmuck braucht cleveres Design und eine lokale Schmuckmanufaktur“, sagt Professorin Christine Lüdeke, die das einwöchige Projekt betreut. Und zwar unter dem Motto „slow fast jewelry“. Was so viel bedeutet, wie langsam (slow) und nachhaltig, schnell und trendig (fast). Daraus ergibt sich – um bei den englischen Schlagwörtern zu bleiben – eine Win-Win-Situation. Denn einerseits gewinnen die Studenten nicht nur Einblicke in die Arbeit von Schmuckmanufakturen, sondern erfahren ganz detailliert, ob ihre Entwürfe kostengünstig und in möglichst großen Stückzahlen umzusetzen sind. Andererseits kann TeNo – so ist es geplant – auf die Entwürfe für zwei Kollektionen zugreifen. „Wir wollen die Firma breiter aufstellen“, sagt Hagmann, nachdem der Betrieb im Juni Insolvenz angemeldet hatte. Nach dem Einstieg einer Schweizer Unternehmensgruppe setzt die Manufaktur verstärkt auf qualitätsvolles Design aus Pforzheim. Edelstahl-Schmuck steht dabei weiterhin im Vordergrund – „allerdings auch in der Kombination mit unterschiedlichen Materialien“. Und genau daran arbeiten gerade die „Young Talents“. Claudia Frisch etwa. Sie hat ein schlichtes, dünnes Metallband mit einem Holzquader versehen – in Kleinform als neue Interpretation eines Siegelrings, eine Nummer größer als Armreif. Verbinden lassen sich diese Modelle mit den Entwürfen von Aaron Fischer. Er nimmt ebenfalls dünne Metallbänder als Ausgangsmaterial, die sich mehrfach um den Arm wickeln lassen, mit einem raffinierten Verschluss in Schnapptechnik – und wahlweise mit einem Holzblock – versehen sind. Mit der chemischen Zusammensetzung von Carbon, ein Werkstoff, den TeNo ebenfalls einsetzt, hat sich Marlen Albrecht beschäftigt und ein sechseckiges Element entwickelt, das sich variabel zu Ohr-, Hals- oder Armschmuck verbinden lässt. Von barocken Schwüngen hat sich der Schweizer Florian Wicki inspirieren lassen, die – mal aus Metall-, mal aus Plexiglas – die Vorder- und Rückseite eines Ohrrings bilden.

Noch wird in den Werkstätten der Hochschule fleißig diskutiert, entworfen und gewerkelt. Spätestens morgen früh muss alles fertig sein, denn am Abend wird die Ausstellung im EMMA eröffnet. „Ein sportliches Ziel“, sagt Almut Benkert. Aber manchmal muss es eben hochgesteckte Ziele geben.