nach oben
Im Rahmen der intensivierten Zusammenarbeit zwischen der HfG Karlsruhe und dem ZKM haben die Institutionen gemeinsam das internationale Forschungs- und Entwicklungsprogramm Archivists in Residence ins Leben gerufen, das im August 2016 in die erste Runde gestartet ist.
Im Rahmen der intensivierten Zusammenarbeit zwischen der HfG Karlsruhe und dem ZKM haben die Institutionen gemeinsam das internationale Forschungs- und Entwicklungsprogramm Archivists in Residence ins Leben gerufen, das im August 2016 in die erste Runde gestartet ist. © Privat
25.10.2016

ZKM und HfG Karlsruhe rufen Forschungsprogramm "Archivists in Residence" ins Leben

Karlsruhe. Im Rahmen der intensivierten Zusammenarbeit zwischen der HfG Karlsruhe und dem ZKM haben die Institutionen gemeinsam das internationale Forschungs- und Entwicklungsprogramm Archivists in Residence ins Leben gerufen, das im August 2016 in die erste Runde gestartet ist. Es richtet sich an junge ForscherInnen, die sich wissenschaftlich und/oder künstlerisch mit Praktiken und Theorien des Archivs in einem erweiterten Sinne auseinandersetzen. Jährlich werden zwei Stipendien für einen jeweils viermonatigen Forschungsaufenthalt an HfG und ZKM vergeben. Die Ausschreibungsphase geht in die zweite Runde: ForscherInnen können sich bis 27. November 2016 bewerben.

Neues Forschungsprogramm

Das Programm Archivist in Residence widmet sich zwei sich überschneidenden Themen: dem Erhalt von Kunstwerken, die auf elektronischen Technologien basieren – insbesondere der digitalen Technologie – sowie den Anforderungen und möglichen Horizonten des Archivs unter den Bedingungen der Digitalisierung. Die Kooperation zwischen HfG und ZKM bietet durch die Verbindung universitärer Forschung, musealer und archivarischer Praxis die idealen Bedingungen, diese Fragestellungen anzugehen. Die Verwendung elektronischer Technologien ist mittlerweile fester Bestandteil künstlerischer Praxis. Doch der Erhalt dieser Werke, die einen wesentlichen Teil der Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen, konfrontiert die Gesellschaft mit neuen Herausforderungen: Viele der in

den vergangenen 50 Jahren entstandenen künstlerischen Arbeiten sind in Gefahr, unwiederbringlich verloren zu gehen und nur noch in Form rudimentärer Dokumentationen zu überdauern, denn die originalen technischen Träger zerfallen und sind nicht mehr zu ersetzen. Um die Werke zu erhalten, müssen daher neue Verfahren der Dokumentation

und Konservierung entwickelt werden. Die Digitalisierung konfrontiert die Gesellschaft jedoch nicht nur mit einer ungeahnten Fragilität des künstlerischen Erbes. Sie hat auch die Bedingungen des Archivierens verändert und neue Horizonte für den wissenschaftlichen und künstlerischen Umgang mit historischen Artefakten eröffnet. Das Kooperationsprogramm von HfG und ZKM beschäftigt sich daher auch mit der Frage nach den möglichen digitalen und realen Architekturen der Archive der Zukunft, die unsere Reflexions- und Handlungsräume mitbestimmen werden.

Jetzt bewerben!

Für Forscherinnen mit wissenschaftlichem oder künstlerischem Hintergrund eröffnen sich durch die Digitalisierung neue professionelle Gebiete zwischen Archivpraxis, Kunstgeschichte, Technikkompetenz und Programmierkunst. Für die Pilotphase des Residency-Programms konnte der Programmierer und Künstler Philipp Tögel gewonnen werden, der dieses notwendige neue Forschungsprofil beispielhaft verkörpert. Tögel arbeitete im Rahmen seiner Masterarbeit an der Universität der Künste Berlin (2015-2016) an der Restaurierung des 1992 entstandenen „Flusser-Hypertext Prototyp 2" des Philosophen Vilém Flusser und setzte sich intensiv mit den Herausforderungen der Emulation computerbasierter Werke und der Bedeutung solch einer Strategie für die konservatorische und kuratorische Praxis auseinander. Tögel, der als erster Stipendiat am 15. September seinen Forschungsaufenthalt begonnen hat, fasst seine Erfahrungen zusammen: „Ich finde im ZKM und in der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe eine spannende Situation vor: Die Nähe von Hochschule und Museum, von künstlerisch forschender Freiheit und restauratorischer und archivarischer Praxis, sehe ich als außergewöhnlichen Glücksfall für eine experimentelle und explorative Archivforschung. Ein Archiv kann nicht nur ordnen und bewahren, sondern sich in besonderem Maße als Repertoire erweisen, aus dem heraus sich aktuelle künstlerische Positionen stärken und entwickeln lassen. Sein Auftrag erweitert sich so über das Erzeugen und Bezeugen von Geschichte hinaus in Richtung eines aktiven Eingreifens: eines kontingenten Machens von Geschichte. Ein Fokus meiner Arbeit ist es, komplexe digitale Objekte als in sich vernetzte Strukturen zwischen technologischen und künstlerischen Intentionen und Konzepten so aufzuarbeiten, dass sich daraus zukünftige Möglichkeiten sowohl für ihre funktionale Konservierung als auch für eine darauf zugreifende Auseinandersetzung mit ihnen ergeben.“

Informationen zum Residency-Programm Archivists in Residence finden sie auf www.hfg-karlsruhe.de und auf http://zkm.de/projekt/archivists-inresidence. Für weitere Auskünfte – auch zum Bewerbungsverfahren – erreichen Sie Daniel Irrgang (HfG) und Margit Rosen (ZKM) unter archivists-in-residence@zkm.de.