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Im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) geht ein Besucher der Ausstellung „Negativer Raum“ durch die Installation „Infinity Room“ von Refik Anadol aus dem Jahr 2015.  Foto: Deck 
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Die Installation „Penetrable BBL bleu“ von Jesus Rafael Soto aus dem Jahr 1999 aus blauen Fäden.  Foto: Deck 
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Spiegelbild: „Islamic Mirror“ von Anish Kapoor aus dem Jahr 2008.  Foto: Deck 

ZKM zeigt spannende Ausstellung über die Skulptur der Gegenwart

Karlsruhe. Was ist die moderne Skulptur? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (ZKM) in der Ausstellung „Negativer Raum“ noch bis 11. August. Dem Titel folgend, beantwortet Kurator Peter Weibel dann auch die Frage: „Die moderne Skulptur ist räumlich und nicht figürlich.“

Dementsprechend präsentieren sich viele der rund 350 Werke: Sie erzeugen mit Licht, Nebel und Spiegeln Räume oder schweben in ihnen als Luftkissen. Die Schwerkraft scheint ausgeschaltet.

Hier unterschieden sich die Skulpturen des 20. und 21. Jahrhundert von ihren klassischen Vorgängern. Bis 1900 seien Skulpturen in Räumen präsentiert worden, hätten diese aber nicht thematisiert, erklärt Weibel. Zwar sei die zeitgenössische Skulptur noch immer wesentlich vom Konzept der Körperskulptur geprägt, das formal auf den drei elementaren Kategorien Masse, Volumen und Schwerkraft gründet. Doch die Freiräume, Um-, Hohl- und Zwischenräume, Spiegel-, Licht- und Schattenräume sowie virtuelle Datenräume rücken in Karlsruhe in den Vordergrund.

Denn: „Die Skulptur des 20. Jahrhunderts ist hängend, nicht stehend, schwebend statt schwer, nicht voll, sondern leer, luftig und licht, diaphan statt dicht, virtuell statt real, nicht massiv, sondern schmal“, so der Kurator. Durch die Fortschritte in den Naturwissenschaften und der Architektur, durch die Entwicklung neuer Werkstoffe, Konstruktionstechniken und der Orientierung von der zweidimensionalen Fläche der nicht-gegenständlichen Malerei in den dreidimensionalen Raum habe sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Entwicklungssprung von der Körperplastik zur Raumplastik vollzogen. Die Ausstellung schlägt dabei einen weiten Bogen: von Henry Moores Bronzeplastik „Stringed Figure“ von 1938, dem fragilen Mobile „Many back from Rio“ von Alexander Calder aus dem Jahr 1948, über die Installation „Penetrable BBL bleu“ von Jesus Rafael Soto aus blauen Fäden (1999), dem begehbaren, scheinbar unendlichen „Infinity Room“ von Refik Anadol (2015) bis zu den berühmten „Silver Clouds“ von Andy Warhol von 1966. Die Ausstellung beginnt schon vor dem Gebäude: Auf dem Vorplatz hat die japanische Künstlerin Nakaya eine ihrer berühmten „Nebelskulpturen“ installiert. Zu jeder vollen Stunde wird der Eingang des ZKM in künstlichen Nebel gehüllt, der sich dann langsam auflöst.

Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin