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Obenauf: Konstantinos Klironomos gibt in dem voluminösen Bühnenbild den liebestollen Herzog von Mantua vor dem zustimmenden Herrenchor.  Fotos: Haymann 
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Besorgter Blick: Rigoletto (links Insu Hwang), hier mit Graf Monterone (Tomas Möwes), blickt auf das unheilvolle Geschehen rund um seine Tochter Gilda. 
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Ihm fliegen die Frauenherzen zu: der Herzog von Mantua mit Giovanna (Dorothee Böhnisch, vorn) und Gilda (Elisandra Melián). 
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Nun hält er das Elend in den Händen: der gramgebeugte Rigoletto (Insu Hwang) mit seiner toten Tochter Gilda (Elisandra Melián). 

Zombies in der Oper: Gefeierte Premiere von Verdis „Rigoletto“ im Theater Pforzheim

Pforzheim. Im blutroten Scheinwerferlicht liegt des Herzogs Mantuas Festsaal. Seine Residenz ist in dieser Neuinszenierung ein fantastisches Holzgerüst, eine Art gigantisches, zweistöckiges Kinderkarussell mit überdimensioniertem Räderwerk, das sich als riesige Vergnügungsmaschine erbarmungslos in Bewegung setzen kann. Wer unter diese großen Zahnräder gerät, ist hin. Und wen der Herzog loswerden will, den steckt er eben da drunter.

In Verdis Meisterwerk „Rigoletto“ herrscht Staatsterror und das von Jörg Brombacher entworfene Bühnenbild macht das über drei kurzweilige Akte hinweg in zweieinhalb Stunden Aufführungsdauer allgegenwärtig. Das Theater Pforzheim hat mit diesem „Rigoletto“ eine durchweg gelungene Premiere hingelegt.

Der geplagte Rigoletto

Mit Insu Hwang war die Hauptrolle ideal besetzt. Vor allem in der mittleren Stimmlage klang sein Bariton kräftig und dicht mit viel Gestaltungsspielraum für die großen Gefühlswechsel vom spöttischen Hofnarren zum besorgten Vater. Denn Rigoletto ist geplagt von Verlustangst, dass er nach dem Tod seiner Frau nun auch seine erwachsene Tochter Gilda verliert. Seine größte Sorge ist, dass sie von den Höflingen rund um den Herzog entdeckt und verführt werden könnte.

Des Herzogs Hofnarren Sorge hat ihren Grund. Die männliche Hofgesellschaft sind allesamt sexuell durchgedrehte Zombies. Im ersten Akt tragen sie zur Belustigung falsche Plastikbrüste. Kostümbildnerin Ruth Groß hat sie in schauerliche Klamotten gesteckt. Da sieht man viel schwarzes Leder und Stiefel, Theaterglatzen, Augenklappen und andere Gesichtsteilprothesen. Das sah schaurig aus und ist auch so gemeint: Dass man Frauen entführt und entehrt, ist Usus am Hofe und gehört zur Unterhaltung des liebestollen Herzogs. Der wird spitz auf Gilda, die ihm auf den Leim geht und sich in ihn verliebt. Schließlich will sich Rigoletto rächen, gibt einen Mord in Auftrag, doch durch irrtümlichen Zufall wird Gilda selbst ermordet. Eine Schauergeschichte!

Musikalisch voll entfaltet

Ensemblemitglied Elisandra Melián interpretiert die Gilda herzallerliebst, singt mit klarem, hellem Sopran „engelgleich“, wie es im Libretto heißt. Für die Arie „Caro nome“ gab es denn auch begeisterten spontanen Szenenapplaus. Dass Elisandra Melián auch in den sehr hohen Lagen mühelos liebevoll und weich gestalten kann, macht sie zu einem Juwel der Pforzheimer Opernstimmen. Energisch gibt Tenor Konstantinos Klironomos den Herzog. Von allen Zombies wirkt er mit langer Haarpracht, offenem Hemd und wallendem Mantel noch ganz vital. Seinen Gassenhauer „La donna è mobile“ – dass „Weiberherzen so trügerisch“ seien – singt er als torkelnder Betrunkener, schauspielerisch wie stimmlich übermütig. Er singt von seinem heftigen Herzschlag, während sich Streicher und Bläser im Orchestergraben mit kurzem Staccato bemerkbar machen.

Verdis Musiktheater ist einfach großartig, was sich an diesem Premierenabend bestens erleben ließ. Als klangsicherer Begleiter erwies sich dabei die Badische Philharmonie Pforzheim unter musikalischer Leitung von Florian Ertl, der alles gut zusammen hielt, sowohl bei Chor, Duo und Quartett.

Unter der Regie von Thomas Münstermann erhielten die Sängerinnen und Sänger auch gute Bedingungen, um sich musikalisch zu entfalten. Die Solisten etwa boten ihre Arien hauptsächlich am vorderen Bühnenrand dar, mit vielen Einfällen an Posen und Bewegung. Das schärfte beim Publikum die Konzentration aufs Wesentliche – den Gesang. So konnte man hören, dass die sterbende Gilda – auch noch am Boden liegend mit abgedrehtem Kopf – stimmlich wunderschön, rein und unschuldig singen kann. Die Untoten liegen dahingerafft, aber befriedigt über die Bühne verteilt, auf dass alles wieder ins blutrote Licht getaucht wird. Ergreifend, weshalb die Produktion vom Publikum stürmischen Beifall und stehende Ovationen erntete.

Weitere Vorstellungen am Samstag, 21. September, 19.30 Uhr, Donnerstag, 3., Oktober, 20 Uhr, Mittwoch, 9., Oktober, 20 Uhr, Sonntag, 13. Oktober, 15 Uhr, Freitag, 18. Oktober, 19.30 Uhr. Infos und Karten auf www.theater-pforzheim.de