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„Radikal nutzerorientiert“ sollen die Schau-Depots im Badischen Landesmuseum im Schloss Karlsruhe bei der Ausstellung „Archäologie in Baden – Expothek¹“ werden. Sie ist ab dem 13. Juli zu sehen. Fotos: Dpa/Deck
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Museum als Zukunftslabor: Eintauchen in vergangene Welten mit der VR-Brillle.
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Alexander Wolny überreicht dem Besucher ein Schwert aus der Bronzezeit.
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Der „Heidelberger Kopf“, Fragment einer keltischen Grabstelle.

Zum 100-Jährigen startet das Karlsruher Landesmuseum neues Projekt

Karlsruhe. Ein wenig erinnert Alexander Wolny in seinem weißen Kittel an einen Klinikprofessor. Er streift sich Einmal-Handschuhe über und bittet den Besucher, dasselbe zu tun. Dann überreicht er vorsichtig sein „Baby“: ein mehr als 3000 Jahre altes Schwert. Überraschend leicht ist es. Gänsehaut-Feeling.

Damit also haben Menschen in der Bronzezeit gekämpft? Geschichte wirklich begreifen – das ist das Ziel eines Pilotprojekts im Badischen Landesmuseum Karlsruhe.

Zum 100-jährigen Bestehen hat sich das Museum einem grundlegenden Wandel verschrieben. Auf Basis eines digitalen Katalogs sollen Besucher rund 1500 Originalobjekte sehen und teils auch anfassen können. Sie sollen als Nutzer einen direkten Zugang bekommen – wie in einem Archiv oder in einer Bibliothek.

Der Schlüssel zum Ganzen ist der Nutzerausweis. Er ersetzt die Eintrittskarte und gilt ein ganzes Jahr. „Ziel ist es, einen ganz neuen, intensiven Zugang zu den Sammlungen zu ermöglichen“, sagt Museumsdirektor Eckart Köhne. Schau-Depots gibt es auch in anderen Museen; sie sind aber nicht so radikal nutzerorientiert. „Die Expothek in der Sammlung ist in Deutschland und weit darüber hinaus ohne Parallelen“, sagt Köhne, zugleich Präsident des Deutschen Museumsbundes.

In Karlsruhe wird das Museum zum Zukunftslabor. Statt Aufsichten gibt es „Explainer“, Historiker wie Alexander Wolny. Sie legen Interessierten alte Schätze vor und erläutern Hintergründe – vom 50.000 Jahre alten Faustkeil über die frühzeitliche Gewandfibel bis zum frühmittelalterlichen Schwert. Die „Expothek“ ist das Herzstück der neuen Dauerausstellung im Keller des Karlsruher Schlosses, die am 13. Juli eröffnet wird. „Es ist unsere Interpretation des modernen digitalen und analogen Museums mit einer besonderen Emotionalität“, sagt Museumschef Köhne.

Geschichtlich Interessierte, Hobbyforscher und Experten können im hellen Museumslabor auch mit einem „ExpoPhone“ – einer Art digitaler Lupe – Hintergründe und Details zu uralten Vasen, Schalen oder Schmuckstücken erfahren. An Medientischen kann man per Touchscreen das Wissen vertiefen oder es spielerisch beim Quizduell und beim Puzzle überprüfen.

„Archäologie in Baden – Expothek¹“, so der Titel des Projekts. Die Möglichkeiten sind groß, Menschheitsgeschichte am Beispiel der Region zwischen Heidelberg und Bodensee zu erzählen. Das illustrieren 13 Glanzlichter verschiedener Epochen. Die Zeitreise beginnt in einem mystisch-dunklen Raum vor über 600.000 Jahren in der Altsteinzeit beim „Homo heidelbergensis“. Zu sehen ist die Replik seines Unterkiefers, der in Mauer (Rhein-Neckar-Kreis) gefunden wurde. Es war der früheste Urmenschenfund Mitteleuropas. Gezeigt werden auch ein kunstvoll in Bronzedraht gefasster Eberzahn als Hüftschmuck für Frauen, Beingeschmeide und kostbare Schwerter.

„Wir definieren den Museumsbesuch ganz neu“, sagt Köhne. Das Experiment hatte mit Testpersonen schon einen Probelauf – und wurde für gut befunden. Wenn das Museum am 18. Juli das 100-jährige Bestehen feiert, will es auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) testen.

Die neue Sammlungsausstellung „Archäologie in Baden – Expothek¹“ im Schloss wird zum Karlsruher Museumsfest eröffnet. Sie ist ab Samstag, 13. Juli, zu sehen: dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr, freitags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Eintritt inklusive Museumsfest: 12 Euro. Das Ticket fürs Fest berechtigt nach Freischaltung des Nutzerausweises zum ganzjährigen Eintritt in die Sammlungsausstellung.