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Halsschmuck „Unter dem Meer“ von Mathilde Hacquard.
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„Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland am Fuß des Vulkans Chimborazo“, Gemälde von Friedrich Georg Weitsch aus dem Jahr 1810.
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Anhänger mit Perlen um 1800.
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Chinesischer Fächer (um 1840) aus dem Besitz Alexander von Humboldts.

Zum 250. Geburtstag von Humboldt: Reizvolle Themenaustellung im Schmuckmuseum Pforzheim

Pforzheim. Der Wissenschaftler, Reisende, Naturforscher und Diplomat Alexander von Humboldt wurde vor 250 Jahren, am 14. September 1769, in Berlin geboren. Er hat den Blick auf die Welt maßgeblich beeinflusst und verändert und war dabei geprägt von einer zutiefst humanistischen Einstellung.

Das Schmuckmuseum Pforzheim ehrt den großen Gelehrten mit der Ausstellung „Offene Horizonte. Schätze zu Humboldts Reisewegen“, die heute eröffnet wird.

Was nun aber hat Alexander von Humboldt mit Schmuck zu tun? Zunächst einmal gar nichts, erläutern Cornelie Holzach, Leiterin des Schmuckmuseums und Kuratorin der Schau, und ihre Co-Kuratorin Martina Eberspächer. Humboldt war Wissenschaftler, der an Artefakten kaum Interesse hatte und auch selbst keinen Schmuck sammelte. Die Ausstellung will vielmehr das interessierte Publikum mitnehmen auf eine spannende Reise zu den wichtigsten Lebensstationen Humboldts.

Auf Humboldts Spuren im Schmuckmuseum Pforzheim
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Auf Humboldts Spuren im Schmuckmuseum Pforzheim

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Humboldt-Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim

Zeittypische Kostbarkeiten

Überall auf der Welt, wo er sich aufhielt, sei es in den Repräsentationsräumen europäischer Herrscher, in bürgerlichen Salons, in den Dschungeln Afrikas und Südamerikas oder bei Würdenträgern unterschiedlichster Art in den Weiten Russlands, hatte Humboldt Gelegenheiten, Schmuck zu begegnen. Die Schmuckexpertinnen haben sich an seine Fersen geheftet und seine Reise- und Lebenswege „geschmückt“ – mit zeittypischen Preziosen vom ausgehenden 18. bis ins 19. Jahrhundert, aus den Ländern, in die er reiste und wo er lebte. Federschmuck südamerikanischer Indianer schlägt dabei einen Bogen zur ethnographischen Sammlung Herion, die sich im Schmuckmuseum befindet.

Und es gibt auch ein schmückendes Originalstück. Auf seiner Russlandexpedition 1829 gelangte Humboldt bis zur chinesischen Grenze und kaufte dort für eine befreundete Dame einen Fächer. Dieser ging durch weitere Hände. Doch dank der erhaltenen, sorgfältigen Provenienzangaben auf der Rückseite ist seine Herkunft eindeutig nachweisbar.

Die Reise- und Expeditionswege Humboldts werden im Vorraum auf einer großen Wandkarte dargestellt. Im Ausstellungsraum kann man ihnen dann entlang der großen Vitrine folgen. In den Hängevitrinen daneben sind Einzelthemen aufgegriffen: Humboldt, der vor seinen Reisen Mineralogie studierte und Bergbauexperte war; Humboldt, der eine Vielzahl wissenschaftlicher Instrumente für seine Forschungen einsetzte; Humboldt, der sich in Mexiko mit der Silberförderung befasste; Humboldt, der große Sammlungen an Mineralien, Pflanzen, Vogelbälgen und ähnlichem anlegte und diese dank seines guten Netzwerks verlustfrei nach Deutschland brachte.

Die Ausstellung „Offene Horizonte“ öffnet den Blick weit über Schmuck, das Kernthema des Schmuckmuseums, hinaus. Sie macht Lust, einem bedeutenden Wissenschaftler zu begegnen und sich näher mit einem interessanten Menschen zu befassen.

Mit Humboldt bereits beschäftigt haben sich rund 70 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs für Design, Schmuck und Gerät an der Goldschmiedeschule Pforzheim. Drei Klassenstufen und eine Abschlussklasse haben sich, wie Lehrerin Juliane Brandes ausführte, mit den Themen Expedition und Naturansichten auseinandergesetzt. Herausgekommen sind überaus spannende Objekte, denen man die Lust ansieht, Gestaltung und Handwerk mit ungewohnten Inhalten experimentell, farbenfreudig und sehr kreativ zu verbinden.

Zur Ausstellung im Schmuckmuseum gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen (die erste ist am Sonntag, 14. April, um 15 Uhr), Lesungen, Vorträgen, Familienangeboten und einem hochkarätigen Symposium am Internationalen Museumstag (19. Mai, 14 bis 19 Uhr). Die Ausstellung „Offene Horizonte. Schätze zu Humboldts Reisewegen“ wird heute um 19 Uhr eröffnet. Die Schau ist bis 8. September täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. www.schmuckmuseum.de

Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769 in Berlin geboren. In seinem über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten entstandenen Gesamtwerk schuf er einen neuen Kenntnis- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt und wurde zum Mitbegründer der Geografie als empirischer Wissenschaft. Seine mehrjährigen Forschungsreisen führten ihn nach Lateinamerika, in die USA und nach Zentralasien. Wissenschaftliche Feldstudien betrieb er unter anderem in den Bereichen Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Vulkanologie, Botanik, Zoologie, Klimatologie, Ozeanographie und Astronomie, aber auch zu Fragen der Wirtschaftsgeografie und der Ethnologie. Er galt als „der zweite Kolumbus“ und „der neue Aristoteles“. Von Humboldt starb am 6. Mai 1859 in Berlin. (ps)