760_0900_114049_Silas_Bischoff_5.jpg
Schwärmt vom tiefen, sonoren Klang der Theorbe: Silas Bischoff.  Foto: Privat 

Zupfen an der Geschichte: Musikstudent aus Neulingen hat besonderes Faible für historische Instrumente

Neulingen. Die zarten, manchmal silbrigen Sounds doppelchöriger Lauten und Barockgitarren. Der tiefe, sonore Klang einer Theorbe. Die erdigen, ganz menschlichen Töne einer romantischen Gitarre. Die Vielfalt historischer Zupfinstrumente fasziniert Silas Bischoff seit seiner ersten Begegnung im Rahmen des Studiums. „Bei jedem Instrument findet sich ein ganz eigener Charakter“, schwärmt er.

Um sich ein solch weitgefächertes Instrumentarium aufzubauen und damit beruflich breiter aufstellen zu können, freut er sich über das Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Silas Bischoff ist einer von 22 mit insgesamt 195 000 Euro geförderten Musiker, Künstler und Literaten. Das verschafft dem aus Neulingen stammenden Musiker, der in Würzburg lebt, für einen gewissen Zeitraum finanzielle Unabhängigkeit und Freiheit. Eine Fachjury hatte ihn aus mehr als 250 Bewerbern ausgewählt.

Einstieg mit Blockflöte

Zur Musik kam Silas Bischoff ganz klassisch über die Blockflöte, was ihm später den Weg zu historischen Holzblasinstrumenten geebnet hat. Mit etwa zehn Jahren verspürte er „wie aus heiterem Himmel“ den Wunsch, akustische Gitarre zu spielen. Seine Eltern meldeten ihn in der Musikschule „conTakt“ in Ötisheim an. „Mein damaliger Lehrer bestand darauf, dass jeder Schüler möglichst viele Musikstile kennenlernen sollte. So kam ich über Pop, Rock, Blues über Fingerstyle und Country zu einem Stil, der es mir als Jugendlicher das erste Mal so richtig angetan hatte: Flamenco“, erinnert sich der 23-Jährige. Schließlich fand er seine Leidenschaft in der klassischen Gitarrenliteratur und wechselte zur Gitarrenakademie Pforzheim. „Da ich in Pforzheim geboren wurde, mein Abitur am Reuchlin-Gymnasium absolvierte und meine Ausbildung vor Beginn meines Studiums an der Akademie erhielt, war und ist Pforzheim noch immer ein wichtiger Ort meiner künstlerischen Entwicklung“, sagt Bischoff. Viele Konzerte und die langjährige Tätigkeit beim Gitarrenorchester legten die Basis fürs Musikstudium und das nötige Selbstvertrauen für künstlerische Projekte. Gerne erinnert sich Bischoff an Auftritte in der Schloßkirche. „Sie war für mich immer ein Ort, neue Dinge auszuprobieren, zu experimentieren, nicht nur mit der Gitarre, ganz oft auch mit dem Hümmelchen, Gemshorn und anderen historischen Holzblasinstrumenten.“ Es sei ein ganz besonderes Gefühl, mit solchen Instrumenten in einem derart geschichtsträchtigen Raum musizieren zu können. Nach wie vor freut sich Bischoff über jede Gelegenheit, die ihn als Musiker zurück nach Pforzheim und Umgebung führt.

Heute widmet er sich auch der historischen Aufführungspraxis auf besagten Zupfinstrumenten. Das bedeutet für ihn nicht nur, das Repertoire von Renaissance und Barock bis zur Romantik auf zeitgemäßen Instrumenten wie der Laute, der Theorbe oder der Biedermeier-Gitarre zu spielen, sondern sich auch mit den Quellen und Manuskripten, einer historisch informierten Interpretation und dem geschichtlichen Kontext zu beschäftigen. Bis zum Versuch, die Denk- und Gefühlsweisen der damaligen Zeit nachzuempfinden. „Besonderen Gefallen finde ich an den kammermusikalischen Möglichkeiten der Lauteninstrumente“, sagt er.

Neben Yoshie Kaneyasu (Sopran) und Ya’qub El-Khaled (Laute) ist er Teil des Trios Clessidra, das Originalwerke und Bearbeitungen aus Renaissance und Barock für Gesang und Zupfinstrumente erklingen lässt. Außerdem wirkt er beim Ensemble für Alte Musik Capella Moeneris und beim Bachkantaten-Club Würzburg mit.

Silas Bischoff

... wurde 1996 in Pforzheim geboren und wuchs in Neulingen auf. Er studiert derzeit klassische Gitarre an der Hochschule für Musik Würzburg bei Jürgen Ruck und Laute an der Hochschule für Musik und Theater München bei Thomas Boysen. Neben der Konzerttätigkeit als Solist tritt Silas Bischoff auch im kammermusikalischen und symphonischen Bereich gerne in Erscheinung und wirkte so bei zahlreichen Orchester-, Opern- und Ensemble-Projekten mit, beispielsweise mit den Würth-Philharmonikern oder dem Collegium Musicum Bamberg. Dabei konzertierte er schon mit Musikern wie dem Oboisten Albrecht Mayer, dem Pianisten Alexandre Tharaud sowie dem Bass-Bariton Sir Bryn Terfel.

Im Januar 2018 führte ihn die Neujahrstournee der Jungen Deutschen Philharmonie in renommierte Konzerthäuser wie die Elbphilharmonie, die Kölner Philharmonie und den Wiener Musikverein. Im März 2020 nahm er an der Internationalen Bachakademie Stuttgart teil, bei der er als Lautenist Bachs Messe in h-Moll und die Köthener Trauermusik unter Hans-Christoph Rademann einstudierte. Silas Bischoff ist seit 2017 Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Michael Müller

Michael Müller

Zur Autorenseite