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Die Badische Philharmonie Pforzheim leitet der Wiener Gastdirigent Florian Krumpöck zu Höchstleistungen an.
Die Badische Philharmonie Pforzheim leitet der Wiener Gastdirigent Florian Krumpöck zu Höchstleistungen an. © Bechtle
22.12.2015

Zweites Sinfoniekonzert mit Gastdirigent Florian Krumpöck

Pforzheim. Dieser Abend lebt von Extremen und wilden Einfällen – und steht im Zeichen eines großen Dirigenten: „Wir möchten das Konzert gerne Kurt Masur widmen, der gestern in den USA verstorben ist“, sagt Florian Krumpöck, dreht sich zu den Musikern und packt sie gewissermaßen sofort bei den Hörnern. Und das ohne Unterlass: Bis zum Ende des zweiten Sinfoniekonzertes am vierten Adventssonntag im lückenhaft gefüllten CongressCentrum Pforzheim treibt der Wiener Gastdirigent die Badische Philharmonie Pforzheim zu Höchstleistungen an.

Raues Land des Nebels

Drei große, russische Komponisten des 19. Jahrhunderts stehen auf dem Programm: Modest Mussorgsky, Alexander Borodin und Peter Tschaikowsky. Zwei Anhänger der Gruppe „Das Mächtige Häuflein“, die sich einer nationalrussischen Musik ohne westlichen Einfluss verschrieben hat, werden Tschaikowsky, dem europäisch orientierten Melodienmeister gegenübergestellt. Dessen erste Sinfonie mit dem Beinamen „Winterträume“, der sich von den Titeln der ersten beiden Sätze „Träumerei auf winterlicher Fahrt“ und „Raues Land, Land des Nebels“ ableitet, bietet eine Wucht an Stimmungswechseln, die im krachend-lauten Finale mit zusätzlichem Instrumentarium wie Bass-Tuba, Becken und Trommel zu ekstatischen Ausbrüchen führt.

Der Badischen gelingt das mitreißend und bravourös; die Interpretation wird mit begeistertem Applaus belohnt. Neben den temperamentvollen Außensätzen besticht vor allem der langsame Satz, der ganz sachte beginnt und bei dem eine melancholische Melodie – ausgehend von der Oboe – klangschön zu den Bratschen, Celli und Hörnern wandert. Der folkloristische Einschlag ist dabei unverkennbar. Tschaikowsky’sche Walzerseligkeit macht sich indes im leichtfüßigen Scherzo breit, russische Schwermut in den Violinen zu Beginn des vierten Satzes.

Mussorgsky, der Draufgänger

Die Aneinanderreihung von Themen und dynamischen Wechseln, wie sie besonders in den Ecksätzen deutlich wird, ist auch das Prägnante von Modest Mussorgskys sinfonischer Dichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ – allerdings auf draufgängerische Art.

Mit dem schwatzhaften Gewimmel der Streicher, dem Rasseln des Schlagwerks und den Donnerschlägen des Gongs wird das Konzert rasant eingeleitet, bekommt gleich einen packend-rustikalen Anstrich. Hier rumort, knallt, flirrt und pfeift es, wie es bei einem von Mussorgsky dargestellten Hexensabbat nur sein kann.

Die „russisches Eroica“

Heroische Züge hat dagegen Borodins zweite – im Gegensatz zu Tschaikowskys 50-minütiger – relativ kurze Sinfonie Nr. 2 h-Moll. Sie gilt auch als „russische Eroica“, weist Themen aus der Oper „Fürst Igor“ auf. Im düster beginnenden Kopfsatz ist es vor allem die Tuba, die für demonstrative Akzente sorgt, im zweiten Satz sind es die eilig pustenden Hörner. Im Andante entsteht ein schöner Kontrast zwischen unschuldiger Klarinettenmelodie und unheilverkündendem tiefem Blech. Zart perlend dabei auch die Harfe. Mit vielen Klangdetails und aufkochendem Schlusstutti dann das Finale – ein wahrhaft leidenschaftliches Konzert.