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Wanda Aniko-Lützner zeigt mit schneller Hand hingeworfene Frauenbilder. Foto: Ketterl
Wanda Aniko-Lützner zeigt mit schneller Hand hingeworfene Frauenbilder. Foto: Ketterl
Sammler Hans Eberhardt blättert in einem Künstlerbuch von Aniko-Lützner.  Foto: Ketterl
Sammler Hans Eberhardt blättert in einem Künstlerbuch von Aniko-Lützner. Foto: Ketterl
Starke Emotionen bestimmen die Tusche-Porträts der in Pleidelsheim lebenden Künstlerin.   Foto: Ketterl
Starke Emotionen bestimmen die Tusche-Porträts der in Pleidelsheim lebenden Künstlerin. Foto: Ketterl
Kunsthaus-Mitarbeiterin Gabriele Münster ordnet Bleistiftzeichnungen.   Foto: Ketterl
Kunsthaus-Mitarbeiterin Gabriele Münster ordnet Bleistiftzeichnungen. Foto: Ketterl
24.09.2016

Zwischen Akt und Abstraktion

Kunstgeschichte von den 1950ern bis heute – aufgeblättert anhand von Frauenbildern: Mit dieser spannenden Ausstellung aus dem immensen eigenen Fundus von Hans Eberhardt und Werken der in Pleidelsheim lebenden Künstlerin Wanda Aniko-Lützner eröffnet das Pforzheimer Kunsthaus 19/21 morgen die Saison.

Ein ganzer Stock ist den Arbeiten der 67-Jährigen gewidmet, die sich auf vielfältige Art dem Medium Zeichnung verschrieben hat – mal mit schneller Hand und dem Bleistift hingeworfen, mal mit fließender Tusche und Motiven aus der Klatschpresse gemalt. Da feiern offenherzige Damen ebenso fröhliche Urstände, wie Paris Hilton ihr Handtäschchen schwingt und sich ein Paar in mehreren Versionen zum Kuss vereint. Aniko-Lützner geht es dabei immer um die Emotion, um das was Gesicht, was Körperhaltung ausdrücken. Schnell muss die Zeichnung aus der Hand fließen, manchmal fast blind. „Ich schätze den ersten Wurf“, sagt die Künstlerin, „er ist genauso wertvoll wie eine monatelange Arbeit.“ Viel Zeit investiert sie dagegen in ihre Materialsammlung, die sie in Künstlerbüchern aufbewahrt, be- und überarbeitet.

Aniko-Lützners Werk fügt sich gut in die zahlreichen Arbeiten der 1960er- bis 1970er-Jahre der im ganzen Haus ausgebreiteten Ausstellung. Frühe Arbeiten von Karl Marx, wie „Porträt E. mit rotem Rollkragen“, das noch ganz den Geist der Fünfziger atmet, sind ebenso zu sehen, wie seine großformatigen, provokant-wilden Frauenbildnisse der 1970er mit ihren abstrakten Einschüben. Farbig, bewegt und ausdrucksstark sind auch die Gemälde von Thea Koch-Giebel, wie das Bild „Große Körperlandschaft“ von 1989. Auch heute noch malt die inzwischen 87-Jährige, die mit den Werken „Wasserstand“ und „Ausstellung“ von 2014 aufzeigt, wie kraftvoll ihre künstlerische Handschrift immer noch ist.

Sanfte Bronze-Schönheit

Für einen Moment der heiteren Leichtigkeit sorgen die Werke aus der großen Sammlung mit russischen Künstlern, die Hans Eberhardt bereits in den 1990ern begonnen hat. Drei fröhliche Knirpse hat Viktor Danilov im Bild festgehalten, charmant-naiv zeigt Alexej Vorobjov sein küssendes Paar, und mit Znamenskis „Akt“ aus Bronze nimmt eine stark abstrahierte Figur ihren Platz in der Ausstellung ein. Und wer die „Nackte“ von Alexander Pozin, lässig auf einem Treppenpodest hockend, entdeckt, der will vor allem eines – über die sanften Rundungen dieser Bronze-Schönheit streichen.