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Mit Gefühl und Verve überzeugen die brasilianische Mezzosopranistin Rosemara Ribeiro und das Südwestdeutsche Kammerorchester. Foto: Molnar
Mit Gefühl und Verve überzeugen die brasilianische Mezzosopranistin Rosemara Ribeiro und das Südwestdeutsche Kammerorchester. Foto: Molnar
07.01.2019

Zwischen Andalusien und Amerika: Opernarien und Streicherklänge bei Konzert zu Neujahr in Remchingen

Remchingen. Nein, der Radetzky-Marsch erklingt nicht bei diesem etwa andersartigen Neujahrskonzert als Zugabe. Im Gegenteil: Ganz sanft lässt das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim den gut besuchten pro-arte-Abend in der Kulturhalle Remchingen ausklingen – mit dem Ohrschmeichler „Somewhere over the Rainbow“ aus dem Musicalfilm „Der Zauberer von Oz“.

Wie aus der Ferne wirkt der Gesangspart von Mezzosopranistin Rosemara Ribeiro, die nicht noch mal auf die Bühne tritt, sondern leise von der Seite einstimmt. Als verführerische „Carmen“ und charmante Gershwin-Interpretin hat sich die brasilianische Sängerin, die von 1999 bis 2003 festes Mitglied im Ensemble des Badischen Staatstheaters Karlsruhe war, an diesem Abend in die Herzen der Zuschauer gesungen. Im roten Kleid gibt sie die berühmten Bizet-Arien „Habanera“ und „Seguidilla“ aus der Oper „Carmen“, die in einer Bearbeitung für Streichorchester und Klavier (Christian Knebel) zu Gehör kommen.

Voller Stolz und Temperament setzt Ribeiro ihre unter die Haut gehende, tiefwarme Stimme ein, fasziniert, flirtet und wirft am Ende des ersten Stücks eine Rose ins Publikum. Klanglich vorbereitet werden die Arien durch Sologeiger Friedemann Breuninger und das Südwestdeutsche, die die südländische Romanza andaluza für Violine und Orchester (Andantino) von Pablo de Sarasate voranstellen.

Esprit und rhythmische Finesse

Konzertmeister Breuninger agiert als Dirigent und Solist in einem, überzeugt mit Kunstfertigkeiten und ist mit Esprit, folkloristischem Elan und rhythmischer Finesse in seinem Element. Spanisch geht es im zweiten Teil weiter – mit drei Sätzen aus den „Cantos de España“ von Isaac Albéniz in einer Orchesterbearbeitung. Der schnelle, eingängige Flamenco-Rhythmus aus „Asturias“, bekannt vor allem in der Gitarrenversion, gelingt den Streichern mit hoher Spannkraft. Bei den Akzenten meint man, eine Flamencotänzerin stampfen zu hören. Kurz federn die Bögen bei dem ebenso auf Tanzrhythmen basierendem „Seguidillas“.

Von Andalusien nach Amerika nimmt Rosemara Ribeiro die Zuhörer bei den folgenden Film- und Musicaltiteln von George Gershwin. In silbern schimmerndem Kleid bezaubert die Mezzosopranistin bei dem hinreißenden Stück „Love Is Here To Stay“ aus „Ein Amerikaner in Paris“, das von galanten Klavierpassagen von Christian Knebel begleitet wird. Mit viel Gefühl berührt sie bei „Embracable You“, mit Verve bei dem schmissigen „I Got Rhythm“ aus dem Musical „Girl Crazy“.

Etwas weniger überzeugend sind dagegen ihre anfänglichen Auftritte als Händel-Interpretin bei den getragenen Arien „Ombra mai fù“ aus der Oper „Xerxes“ sowie „Cara sposa, amante cara“ aus der Oper „Rinaldo“. Besonders die schwermütige Rinaldo-Arie wirkt zu introvertiert, beinahe lethargisch.

Tschaikowsky elegant und leicht

Überhaupt kommen die ersten Stücke recht seriös daher, darunter auch die süßlich-schwärmerische Romanze für Violine von Friedemann Breuninger sowie Orchester op. 26 von Johan Svendsen. Elegant und leicht dagegen der Walzer aus Tschaikowskys Serenade C-Dur op. 48 mit seinen gleißend hohen Violinpassagen und akzentvollen Pizzikati der tiefen Streicher. Anerkennender Beifall.