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Unabhängiger Geist mit Bodenhaftung: Malcolm Brook. Foto: G. meyer

Zwischen Kunst und Handwerk: Malcolm Brook gestaltet fantasievolle Holzobjekte

Schömberg. Engländer sollen bekanntlich einen Humor haben, der sich nicht jedem auf Anhieb erschließt. Schwarz oder nicht schwarz, das ist hier die Frage. Was passiert aber mit dem Humor, wenn man Deutscher geworden ist? Wird vielleicht das Ganze durch Gründlichkeit vermasselt?

Malcolm Brook, der Engländer, der auf einer Tour nach Indien 1983 in Deutschland strandete und eigentlich nur für sechs Monate in Schömberg bleiben wollte, um wieder zu finanziellen Kräften zu kommen, hat da keine Probleme. Sein Herz hat nie aufgehört, für England zu schlagen (nur der Brexit bringt es aus dem Takt). In seiner neuen Heimat Oberlengenhardt hat er Liebeswurzeln getrieben – ein unabhängiger Geist mit Bodenhaftung. Immer gut für Überraschungen, für ein erkennendes Lachen hinter dem Staunen, mit viel Fantasie gesegnet.

Seine Holzobjekte haben ein bisschen was vom Geist Tomi Ungerers, sind spielerisch, satirisch, beobachtend, geprägt auch vom Spiel mit Begriffen. Es macht Spaß, sie in Bewegung zu setzen. „Undinge und Dinge“ nennt er das – und da fängt es schon an: Was ist ein Unding? Schon eher identifizierbar: „mechanische Poesie“. Das beinhaltet zwei Dinge: handwerkliche Arbeit und künstlerisches Potenzial, ein wenig Leichtigkeit des Seins. All das findet man in Brooks Arbeiten: sauber in der kleinen Werkstatt gedrechselte Holzteile – zum Teil mit Autolack bunt gesprüht – und fantasievolle bildnerische Konstruktionen, die sich zu einem verblüffenden Ganzen vereinen. An Ideen fehlt es ihm nicht. Denen darf man mit einem innen aufsteigenden Lachen nachspüren, aber sie bitte „nicht intellektuell zerlegen“.

Künstlerische Arbeit ist für Malcolm Brook nicht Beruf, auch wenn er in London Kunst studiert hat: „Ich habe nie versucht, durch Kunst meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Das, was den notwendigen Inhalt in den Geldbeutel brachte, war so unterschiedlich und unbelastet von Vorgaben wie seine Arbeiten – reichte vom Kühemelken bis hin zur heutigen pflegerisch-medizinischen Tätigkeit. So unternimmt er auch keine großen Anstrengungen, seine Objekte auf dem Kunstmarkt zu etablieren. Trotzdem erreichen ihn immer wieder Anfragen – manchmal auch

mit der Bitte, ein bestimmtes Thema aufzugreifen. Man mag die Konstruktionen, in denen Rädchen und Kurbeln Figuren in Bewegung setzen – mitunter begleitet von erstaunlichen Tönen.

Es sind alltägliche Begriffe, die Brook aufgreift und dann wortwörtlich in Einzelteile zerlegt und neu zusammenbaut. Da flattern Schmetterlinge, ein Krokodil schnappt beim Angsthasen zu, Schafe befinden sich in seltsamen

Dialogen, das „crazy horse“ (verrückte Pferd) trabt auf hohen roten Hacken mit erstaunlich vielen Beinen, und Kühe – ja, Kühe gibt es wirklich viele. Was mit dem vormaligen Melken zu tun haben mag. „Stimmt, ich habe wirklich viele Kühe gemacht“, lacht Brook.

Fast vermitteln die stabilen Konstruktionen, die geradezu zum Bewegen herausfordern, den Eindruck von Holzspielzeug. Doch Vorsicht, ganz so einfach ist das nicht. Da sind viele surreale Momente im Alltäglichen, die Ironie versteckt sich hinter scheinbar schnell Identifizierbarem. Und immer ist ein Lachen dabei, die Aufforderung, sich und die Welt doch bitte nicht so ernst zu nehmen.

Fast hätte ich es vergessen: Hübsch anzusehen sind die Objekte auch.