nach oben
Isabel Allende stellt ihren Roman vor.  dpa
Isabel Allende stellt ihren Roman vor. dpa
21.10.2015

Zwischen Kunst und Klischee: Allendes „Der japanische Liebhaber“

Berlin. Wieder einmal ist es die Geschichte einer großen Liebe. Und wieder einmal reist die Autorin Isabel Allende (73) in ihrem neuen Roman durch Zeit und Raum: durch vier Generationen und drei Kontinente. „Der japanische Liebhaber“ ist ein typisches Werk der erfolgreichen Chilenin („Das Geisterhaus“), die – wie sie einmal sagte – gern starke Frauen in den Mittelpunkt stellt.

Die Frau in diesem Roman ist Alma Belasco, eine Künstlerin, die sich mit fast 80 Jahren in ein Altenheim in San Francisco zurückgezogen hat. Wobei sie oft eher fatalistisch und eigenwillig als stark den Herausforderungen ihres bewegten Lebens begegnete, das einst in Polen begann. Am kunstvollen Konstrukt aus Vergangenheit und Gegenwart der Alma Belasco arbeiten vor allem Irina, ihre junge Assistentin aus Moldawien, und ihr Enkel Seth, die das in Kisten verstaute Leben ordnen, heimlich aber auch einer Liebschaft der alten Dame auf der Spur sind.

Der geheimnisvolle Mann, den Alma seit ihrer Kindheit kennt, ist– wie der Titel des Buches schon sagt – ein (in den USA geborener) Japaner. Den bunten Reigen komplettiert noch rund ein Dutzend weiterer Mitwirkender, darunter Almas Ehemann und andere Familienangehörige, die allesamt ein schweres Schicksal hatten und so für die entsprechende Dramatik sorgen, die Allende mit ihrem mitreißendem Erzählstil über weite Strecken wunderbar umsetzt. Aber genau hier tun sich auch Schwächen auf. Es sind nur allzu bekannte Ereignisse und Gegebenheiten, die Allende leider hier und da in klischeehafte Schilderungen verfallen lässt: die zur Prostitution gezwungenen Osteuropäerinnen, der Stoizismus der Asiaten, der Kult um ein Samurai-Schwert oder manch arg rührselige Szene. Einige von Almas Angehörigen sind einfach zu edel für diese Welt. Ja, Allende tangiert dabei die Grenze zum Trivialen. Frauke Kaberka