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Schlüpfen in mehrere Rollen: Jürgen Larys, Susanne Hocke und Klaus Engeroff (von links).  Foto: PM
Schlüpfen in mehrere Rollen: Jürgen Larys, Susanne Hocke und Klaus Engeroff (von links). Foto: PM
22.11.2016

„artEnsemble Bochum“ spielt im Mühlacker Uhlandbau Schillers „Parasit“

Mühlacker. Alles wird gut. Der auf den Verdiensten anderer emporgestiegene Schmarotzer hat schließlich das Nachsehen – auch im Intriganten-Stadl, den das „artEnsemble Bochum“ im Mühlacker Uhlandbau mit Friedrich Schillers Stück „Der Parasit“ vorführt. Doch die Gerechtigkeit siegt nur auf der Bühne. In der wirklichen Welt regiert das Mittelmaß und die Guten werden von Lügen umstrickt. Mit dieser kommentierenden Einsicht endet Schillers Komödie, beziehungsweise seine Übersetzung des von ihm teils veränderten und ergänzten Lustspiels „Médiocre et rampant“ des französischen Theaterautors Louis Picard (1769–1828), das in der klassischen Weimarer Zeit häufig aufgeführt wurde – aber heute selten auf dem Spielplan steht.

Die nach Molière’schem Muster gestrickte Handlung führt das Publikum in das höfische Mobbing-Milieu zur Zeit Napoleons. Der verlogene Heuchler Selicour wird von La Roche und seinem Mitstreiter, dem jungen Offizier Firmin, durch ein Täuschungsmanöver beim Dienstherrn, dem Minister Narbonne, als Schwindler entlarvt. Firmin darf zur Belohnung des Ministers Tochter Charlotte heiraten, auf die es Selicour mit dem Segen der Minister-Mutter Madame Belmont abgesehen hatte. La Roche wird seinen verlorenen Beamten-Posten wieder besetzen, Firmins Vater die von Selicour begehrte Funktion eines Gesandten.

Durch Mehrfachbesetzung können die drei Schauspieler vom „artEnsemble“ (Susanne Hocke, Klaus Engeroff und Jürgen Larys) alle Partien abdecken, helfen sich mit Hosenrollen und Masken. Madame Belmont wird sogar in Form einer Bauchredner-Puppe eingeführt. Manchmal ist es für die Zuschauer allerdings schwierig, so rasch wie die Protagonisten umzuschalten, wenn derselbe Mime von einer Figur in die andere schlüpft.

Jedenfalls gelingt es den Darstellern in historisch nachempfundenen Kostümen die Charakter-Typen deutlich herauszuarbeiten. Selicour ist ein schmierig-geschmeidiger Parvenü. Firmin agiert selbstgefällig, sein Vater ist ein Muster des redlichen Minister-Dieners. Der Minister selbst fällt leicht auf Schleicher und Schleimer herein. Affektiert plappert die Großmutter-Puppe, Charlotte ist süß und naiv. Insgesamt ein vergnüglicher Abend ohne Begeisterungsausschläge.